Saarland.de - Startseite
   Benutzerhinweise    Inhalt    Suche
Naturschutz
 

Herbarium SAAR

Herbariumskisten im ZfB
Herbariumskisten im ZfB

Die Universität des Saarlandes (UdS) besitzt seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts ein Herbarium, das im weltweiten Index Herbariorum unter dem Namen "SAAR" eingetragen ist. Es war bis Ende 2002 im Gebäude 25.3 im Bereich des Botanischen Gartens auf dem Campus der UdS untergebracht; nunmehr befindet es sich in den Räumen des Zentrums für Biodokumentation.

Zur Einrichtung eines Herbariums am Botanischen Institut der UdS wurden noch unter französischer Institutsleitung vom damaligen Ordinarius für Botanik, Herrn Professor Dr. Claude Arnal, zwischen 1950 und 1957 zwei Privatherbarien aufgekauft. Das erste mit Belegen vornehmlich aus Südfrankreich, den Seealpen und Nordafrika gehörte dem französischen Baron Nanteuil. Die Belege stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Darunter finden sich auch wichtige Endemiten wie der Beleg von Omphalodes littoralis LEHM. (Boraginaceae) vom Mai 1882: "sables maritimes, Fouras, Charente-Inférieure". Hier handelt es sich um eine Pflanze, die nach AUGER & LAPORTE-CRU (1982) als Lokalendemit " ….. fréquemment rencontrée sur les sables des Landes et de la Charente-Maritime" an der südwestfranzösischen Atlantikküste vorkommt. Weiterhin enthält das Nanteuil-Herbar auch Typenmaterial von Orchideenhybriden, die Nanteuil selbst beschrieben hatte, und Isotypen der taxonomisch schwierigen Gattungen Rubus (Brombeere), Rosa (Rose) und Hieracium (Habichtskraut) verschiedener französischer Autoren. Neben den identifizierten und eingeordneten Proben harren noch mehrere Kisten mit unbestimmten Belegen aus dem Nanteuil'schen Herbar von 1888 - 1891 ihrer Bestimmung! 

Das zweite von Prof. Arnal angekaufte Privatherbarium war das des Apothekers Mansbendel aus Mulhouse (Elsass) mit Belegen vom Ende des 19. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, vornehmlich aus dem Elsass.

Bis 1961 bestand das Herbarium am Botanischen Institut der UdS aus etwa 15.000 Belegen. Im Jahre 1961 kam Herr Dr. Erhard Sauer, später Akademischer Oberrat, an das Botanische Institut der UdS. Er betreute das vorhandene Herbarium und baute es weiter aus.

E. Sauer bei einer Exkursion mit Studenten

Die meisten seit 1961 hinzugekommenen Herbarbelege wurden von ihm selbst gesammelt, bestimmt und eingeordnet. Darunter befinden sich etwa 1.000 Belege privater Reisen aus den Jahren 1958 - 1969 nach Südosteuropa und Anatolien. Letztere fanden im 10-bändigen Werk von Davis, Flora of Turkey, Berücksichtigung. Eingeordnet ist auch Dr. Sauers Privatherbar mit 1685 Belegen aus Mitteleuropa, teilweise mit Arten aus der Eifel und dem Kölner Raum, die dort heute längst verschollen sind. Ferner finden sich im Herbarium "SAAR" Exsikkate aus privaten Forschungsreisen nach Mazedonien und Griechenland, die er zwischen 1962 und 1965 z.T. in Begleitung des früheren technischen Leiters des Botanischen Gartens der UdS, Felix Hohmann, durchgeführt hat. Dazu kommen Belege aus verschiedenen Gebieten der Türkei, die er in der Zeit zwischen 1983 und 2000 bereist hat. Die Gesamtzahl der Belege aus Mazedonien, Griechenland und der Türkei beläuft sich auf ca. 4000.

Die restlichen etwa 7.000-8.000 Belege stammen von Exkursionen des Botanischen Instituts der UdS von 1961 bis 2000, gesammelt von Dr. Sauer, verschiedenen Exkursionsteilnehmern/innen und dem Autor sowie von weiteren privaten Sammlern, z.B. Frau Dr. Marlene Rosinski.

Das Herbarium "SAAR" enthält auch das Privatherbarium von Professor Dr. Heinz-Dietrich Wulff, dem ehemaligen Ordinarius für Botanik an der UdS, und dasjenige von Korneck & Hohmann; beide müssen allerdings noch eingeordnet werden.

Alle Gefäßpflanzenbelege im Herbarium "SAAR", die nicht aus dem Saarland und angrenzenden Gebieten stammen (vgl. SAUER, HAFFNER, WOLFF 1979; SAUER 1993), werden dem sogenannten "Generalherbar" zugeordnet, das z.Zt. rund 27.800 Belege umfasst.

Daneben gibt es im Herbarium "SAAR" ein Belegherbar an Gefäßpflanzen zu o.a. Publikationen mit bis heute 4.643 eingetragenen Proben. Dieses Teilherbarium wird im Herbarium "SAAR" unter dem Namen "Flora des Saarlandes" geführt. Es wurde ab 1962 von Dr. Sauer angelegt und wird bis heute von ihm vervollständigt. Eine größere Anzahl von Belegen steuerten u.a. auch S. Caspari, P. Haffner, W. Mennicke, Th. Schneider, F.J. Weicherding und P. Wolff bei. Das Teilherbarium "Flora des Saarlandes" ist das einzige umfangreiche Herbarium der Gefäßpflanzen des Saarlandes und angrenzender Gebiete, das für wissenschaftliche Untersuchungen und für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Neben den Gefäßpflanzen gibt es im Herbarium "SAAR" auch ein "Generalherbar Moose", das aus Moosarten Deutschlands (exklusive Saarland und angrenzende Gebiete), einer ganzen Reihe weiterer europäischer Länder, insbesondere Nordeuropa, der Türkei und aus Moosen Patagoniens besteht. Es umfasst z.Zt. 6.137 Belege.

Darüber hinaus gibt es ein Belegherbar der Moose des Saarlandes und angrenzender Gebiete, das von den Autoren der in den nächsten Jahren zur Publikation anstehenden "Moosflora des Saarlandes und angrenzender Gebiete" zusammengetragen wurde, und unter dem Namen "Moose des Saarlandes" geführt wird. Es umfasst z.Zt. 6.173 Belege.

Im Herbarium "SAAR" findet sich schließlich eine Flechtensammlung, die überwiegend von Dr. Volker John, Bad Dürkheim, zusammengestellt wurde. Sie umfasst 351 Belege aus Europa und 193 Belege aus dem Saarland.

Das gesamte Gefäßpflanzengeneralherbar wurde von Dr. Sauer in eine von ihm selbst mit Fortran erstellte Datenbank eingegeben, so dass alle Daten digital verfügbar sind. Weiterhin hat er eine Fortran-Datenbank für das gesamte Herbarium "Moose des Saarlandes" und für die privaten Moosherbarien der Mitarbeiter/innen am Projekt "Moosflora des Saarlandes" erstellt, so dass diese Herbarien für das o.g. Projekt auswertbar sind. Diese Datenbank ist die Grundlage für sämtliche Kartieraktivitäten zum Projekt "Moosflora des Saarlandes". Bisher nicht EDV-verfügbar ist das o.g. Gefäßpflanzen-Teilherbar "Flora des Saarlandes".

Zum Herbarium "SAAR" gehört eine umfangreiche Bibliothek mit Bestimmungsliteratur für Gefäßpflanzen und Moose, ferner eine größere Sonderdrucksammlung von Originalarbeiten zur Taxonomie von Gefäßpflanzen und eine Sammlung mehrerer hundert von Dr. Sauer erstellter Dauerpräparate von Moosen für mikroskopische Untersuchungen.

Das gesamte Herbarium "SAAR" würde es nicht geben, wenn Herr Dr. Sauer nicht während seiner aktiven Zeit am Botanischen Institut der UdS und auch nach seiner Pensionierung bis heute intensiv an dessen Ausbau und an der Datenbank gearbeitet hätte. Dieses Herbarium ist neben seiner Arbeit an der Kartierung der Gefäßpflanzen und Moose des Saarlandes ein weiterer Pfeiler seines Lebenswerkes. Deshalb muss alles getan werden, damit es der Wissenschaft erhalten bleibt.

Neben Dr. Sauer haben im Laufe der Jahre dank der großzügigen Unterstützung durch die Universität viele studentische, hier nicht genannte Hilfskräfte am Ausbau und an der Dokumentation des Herbariums mitgearbeitet.

Quelle: Mues, R.; Das Herbarium "SAAR" der Universität des Saarlandes. - Abh. Delattinia 28, 21-24 (2001)