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Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz
 

Digitalisierung der Landwirtschaft – Agrarminister Jost testet autonomes Fahren auf landwirtschaftlichen Flächen

17.10.2018
Minister Jost und Landwirt Stefan Rauen testen die neue Technik © MUV | jf
Minister Jost und Landwirt Stefan Rauen testen die neue Technik © MUV | jf

Auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Perl-Borg hat Agrarminister Reinhold Jost den Startschuss für den Satellitenpositionierungsdienst SAPOS gegeben. Im Rahmen des zweijährigen Pilotprojektes können saarländische Landwirte kostenfrei auf die hochpräzisen Satellitendaten zur autonomen Steuerung ihrer Traktoren und Landmaschinen zugreifen. Die nötigen Korrekturdaten, zur zentimetergenauen Navigation der landwirtschaftlichen Fahrzeuge,  werden von der saarländischen Vermessungsverwaltung individuell berechnet und bereitgestellt. „Satellitengestützte Maschinensteuerung macht die Bewirtschaftung von Flächen einfacher, präziser und ermöglicht einen effizienten Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. So kann das System einen wertvollen Beitrag für Natur und Umwelt leisten“, erklärt Minister Jost bei der Freischaltung von SAPOS.

Mit der kostenlosen Bereitstellung der SAPOS-Daten will das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz einen Anstoß geben, um das so genannte „Precision Farming“ auch im Saarland zu etablieren. Bislang kommt diese Methode in den südwestlichen Bundesländern aufgrund der kleinstrukturierten Agrarflächen nur vereinzelt zum Einsatz. Obwohl die technischen Voraussetzungen gegeben sind. So ist etwa die Hälfte der heute produzierten Mittelklassetraktoren bereits mit einem GPS-Empfänger ausgestattet. Hierdurch lassen sich in Verbindung mit geeigneten Anbaugeräten Saatgut, Pflanzenschutz- oder Düngemittel präzise und ohne Überlappung auf oder in den Boden bringen. Schlaggerechte Teilbreitenschaltung, geschwindigkeitsabhängige Volumenstromregelung und Software zur Optimierung des Mitteleinsatzes gehören in Düngerstreuern und Pflanzenschutzspritzen längst zum Stand der Technik. Viele Arbeitsschritte lassen sich durch das Precision Farming somit in einem einzigen Arbeitsschritt realisieren. „Die Vorteile für die Anwendung liegen auf der Hand: Vollständig aufeinander abgestimmte Prozesse ohne Rüstzeiten und ohne mehrfache Feldüberfahrten entlasten die Böden, die Umwelt und sparen Zeit, Kraftstoff und weitere Betriebsmittel. Rentabilität und nachhaltige Ressourcenschonung lassen sich so gut miteinander vereinen“, so der Minister weiter.

Zwischenzeitlich findet auch die Echtzeitelektronik Eingang in die Praxis. So erkennen Kameras Unkräuter für eine zielgenaue Bekämpfung, führen Hacken exakt in den Reihen oder analysieren anhand der Grünfärbung des Pflanzenbestandes den Nährstoffbedarf.

Hintergrund:
Der Satellitenpositionierungsdienst der deutschen Landesvermessung (SAPOS) ist ein Satellitenreferenzdienst. Als Gemeinschaftsprojekt der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV) stellt er Korrekturdaten zur Verfügung, mit denen in Deutschland eine genauere Positionsbestimmung mittels Satelliten möglich ist. SAPOS stellt Korrekturdaten für Positionierung und Navigation mit den Satelliten des Global Positioning System (GPS) und des GLONASS bereit.
Die Grundlage dieses Dienstes bildet ein Netz von permanent betriebenen GNSS-Referenzstationen. Im Saarland gibt es derer sechs. Die Daten der Referenzstationen können die Nutzer abrufen. Sie ermöglichen eine Steigerung der Positionsgenauigkeit auf das 10- bis 100fache. Das für die Landwirtschaft bereitgestellte SAPOS-HEPS-Signal ermöglicht eine Lagegenauigkeit von 1-2 cm.