Saarland.de - Startseite
   Benutzerhinweise    Inhalt    Suche
Landesbetrieb für Straßenbau
 

Gefahren im Straßenbetriebsdienst – Land installiert Risiko-Parcours zur Unfallprävention

Medieninformation vom 19.10.2017

19.10.2017
Herren Michael Hoppstädter und Andreas Marschibois bei der Übergabe der Teilnahmebescheinigung beim Risiko-Parcours
Herren Michael Hoppstädter und Andreas Marschibois bei der Übergabe der Teilnahmebescheinigung beim Risiko-Parcours

Die Aufgaben der Straßenbetriebsdienstes sind vielfältig: Streckenkontrolle in langsamer Fahrt, Aufnahme von Unfallschäden, Absicherung von Unfallstellen, Gehölz- und Grünpflege und vieles mehr erledigen die Mitarbeiter des Landesbetriebs für Straßenbau zur Vermeidung von Verkehrsstörungen unter fließendem Verkehr. Insbesondere auf Autobahnen bergen die langsame Fahrt, das Anhalten und Aussteigen hohe Risiken.

Entfernungen herannahender Fahrzeuge auf Autobahnen mit einem Blick durch den Seitenspiegel einschätzen, Abstände von vorbeifahrenden Fahrzeugen bestimmen und Geschwindigkeiten der anderen Verkehrsteilnehmer wahrnehmen und einschätzen, das ist vor allem für erfahrenes Personal Routine. Und gerade diese Routine ist für die Straßenwärter gefährlich, denn der Mensch neigt dazu, in alltäglichen Situationen bestehende Risiken auszublenden oder zu unterschätzen. Jede Fehleinschätzung, jede Unaufmerksamkeit kann aber zur tödlichen Gefahr werden.

Vor diesem Hintergrund hat sich das Saarland zu präventiven Maßnahmen zum Schutz seines Personals in Straßenbau und -betrieb entschlossen und eine Halle angemietet, in der ein Risiko-Parcours eingerichtet wurde. Ziel des Parcours: die Mitarbeiter sollen alltäglichen Situationen im Straßenverkehr ausgesetzt und unter Anleitung von Moderatoren sensibilisiert werden, Routinen zu hinterfragen und sich auf das Erkennen von Gefahrenlagen zu fokussieren.

Am heutigen Donnerstag, den 19.10.2017, besuchte Jürgen Barke, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr, gemeinsam mit dem Direktor des Landesbetriebs für Straßenbau (LfS), Michael Hoppstädter den Parcours, den die ersten Mitarbeiter des Straßenbetriebsdienstes durchliefen. „Gegen die alltäglichen Gefahren im Straßenverkehr für die Kolleginnen und Kollegen in Straßenbau und -betrieb gibt es keine wirklich wirksamen Maßnahmen. Wir können aber Vorsorge treffen, dass unsere Teams die Sensibilität für die alltäglichen Risiken erhöhen und damit aktive Unfallvorsorge betreiben“, begründet Jürgen Barke die Einrichtung des Parcours, mit dem das Saarland Beispielen von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern folgt.

Im Risiko-Parcours findet keine klassische Sicherheitsunterweisung statt. Hier werden unter kontrollierten Bedingungen Situationen simuliert, die im laufenden Straßenbetrieb nicht geübt werden können. Die Absolventen zeigen, wie sie im Alltag mit Problemsituationen umgehen. Moderatoren regen zur Reflexion über das Erlebte an und animieren zur Beachtung im Arbeitsalltag.
Die Moderatoren rekrutieren sich aus eigenem Personal des Landesbetriebs. Mit Andreas Marschibois, Klaus-Werner Erbelding und German Eckert wurden drei langjährige und erfahrene Mitarbeiter mit der Anlage vertraut gemacht und in Moderations- und Durchführungstechniken aus-gebildet.
Den Parcours werden sukzessive alle im Außendienst tätigen Mitarbeiter/innen des LfS absolvieren und das Erlebte jährlich vertiefen.

Neben dem eigenen Personal will der LfS den Parcours auch für das dem Straßenverkehr ausgesetzte Personal anderer Dienststellen zugänglich machen. Vor diesem Hintergrund hat das Landespolizeipräsidium zum Auftakttermin bereits einen Vertreter der Polizeiinspektion Neunkirchen entsandt.

Weitergehende Kooperationen mit im Straßenverkehr arbeitendem Personal sind angedacht. Zielgruppen sind die Kollegen der rheinland-pfälzischen Straßenbauverwaltung und private Dritte, zum Beispiel Markierungs- oder Bauunternehmen.

Die Kosten für die dauerhafte Installation des Parcours einschließlich Moderatorenausbildung und Führungskräfteschulung beliefen sich auf ca. 125.000 €. Die Miete für die Parcours-Halle beträgt monatlich rund 1.900 €.

„Die Gesundheit unserer Kolleginnen und Kollegen ist mit Geld nicht zu bezahlen“, lautet das Fazit des LfS-Direktors. „Investitionen in vorbeugen-de Maßnahmen zum Schutz unserer Kolleginnen und Kollegen sind gut angelegtes Geld, das sich durch jeden vermiedenen Unfall mehr als gelohnt hat!“


Die Stationen des Risiko-Parcours:
ArgusAuge
An der Station ArgusAuge geht es darum, Entfernungen und Geschwindigkeiten sich nähernder Fahrzeuge auf Autobahnen sowie Lücken im Verkehr abzuschätzen. Der Fahrzeugführer bekommt dazu in seinem LKW-Seitenspiegel entsprechende Verkehrssituationen eingespielt, während der Rest der Gruppe die Projektion auf einem Großbildschirm sieht.
Es zeigt sich, dass Entfernungen über 50 m überschätzt, die Geschwindigkeit von herannahenden Fahrzeugen dagegen unterschätzt werden. Ziel der Übung ist es, Lücken im Verkehr zu finden, die ein Aussteigen ohne Gefahr ermöglichen.


LückenSpringer
Große Reifenteile oder Spanngurte liegen auf der Fahrbahn. Eine Konfliktsituation. Liegenlassen und warten, bis die Polizei den Verkehr eingebremst hat?
Hier wird diskutiert, ob und wann man die Fahrbahn möglichst gefahrlos überqueren kann, und zwar ohne und mit Belastung, wie z.B. mit einem Schilderpfahl, einer Batterie oder einem Rasentrimmer. Diskutiert wird auch das richtige Verhalten bei unvorhergesehenen Zwischenfällen, z.B. wenn  das neue Smartphone aus der Tasche fällt.

FaustRegel
Die Auswirkungen eines Unfalls, der eintritt, während der Fahrer noch im Fahrzeug sitzt, hängen von den zuvor getroffenen Sicherheitsmaßnahmen ab. Deshalb wird an der Station „FaustRegel“ die richtige Sitzeinstellung besprochen und ausgeführt.

DoppelDenker
An dieser Station geht es um die aktive Wahrnehmung im Arbeitsumfeld. Wie kann man sich auf die Arbeit konzentrieren und gleichzeitig den Verkehr nicht aus den Augen verlieren?
Die Teilnehmer simulieren das Ausbessern schadhafter Stellen im Stand- bzw. Fahrstreifen, das Entfernen größerer Teile wie Auspuffendtöpfe und LKW-Reifenreste von der Fahrbahn. Während dieser Arbeiten werden Verkehrssituationen eingespielt. Es gilt, bei Warngeräuschen die Arbeit einzustellen und sich in den „sicheren Bereich“ des Banketts zu begeben.

ÜberLäufer
Es regnet. Eine stark befahrene Straße muss überquert werden. Es ist eilig. Ein Stressmoment. Wie ändern sich die Risikowahrnehmung, die Risikoeinschätzung oder die Risikobereitschaft?
An dieser Station werden Pendel in Schwung gebracht. Der Absolvent versucht, die Straße zu überqueren. Verschiedene Schwierigkeitsstufen werden durch einen Regenschirm, eine Sackkarre oder Bleigewichte simuliert.
Entscheidend sind die anschließende Reflexion über das Geschehen und die Übertragung von Konsequenzen in den Berufs- und Lebensalltag.

SprungLabor
Mal eben aus dem Fahrerhaus springen, von der Ladefläche oder vielleicht von einer Laderampe? Eine übersehene Bordsteinkante schmerzt hier sofort. Unnötige Belastungen, der auf die Gelenke wirkenden Kräfte, können Langzeitschäden verursachen.

Das Gewicht des Probanden wird ermittelt. Sprünge aus verschiedenen Höhen zeichnen Kurven auf und zeigen die Kräfte, die auf die Gelenke wirken. Im SprungLabor wird so das Bewusstsein für Risiken und Belastungen geweckt.