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Flüchtlinge und Integration
 

Sprachfördermaßnahmen an den saarländischen Schulen

Information des Ministeriums für Bildung und Kultur

In den „Kernprogrammen“ zur Sprachförderung an saarländischen Schulen arbeitet das Ministerium für Bildung und Kultur mit dem Paritätischen Bildungswerk (PBW) zusammen. Dies betrifft die Programme „Früh Deutsch lernen“ und „Sprachförderung in der Sekundarstufe I“. Beide Programme wurden über das Sofortprogramm zur Bildung und Förderung von Flüchtlingskindern an saarländischen Schulen erweitert.

Früh Deutsch lernen

„Früh Deutsch lernen“ (FDL) fördert Kinder ohne oder mit unzureichenden Deutschkenntnissen. Dies bezieht sich auf das letzte Halbjahr des Kindergartens und das erste Halbjahr der 1. Klassen an der Grundschule. Im Schuleingangsbereich FDL waren im letzten Schuljahr Sprachförderlehrkräfte mit 1.457,5 Wochenstunden tätig. Dies entspricht einem Stellenanteil von rd. 52 Vollzeitlehrerstellen und einem Stundenanteil der dort beschäftigten Sprachförderlehrkräfte von jeweils 18,21 Wochenstunden.

Die Sprachförderlehrkräfte führen 168 Kurse an 125 Schulen und 10 Kitas durch. Gefördert werden landesweit 1.433 Kinder. Darunter sind auch deutsche Kinder, die sich vor und beim Übergang vom Kindergarten in die Schule befinden. Erfasst werden alle Kinder mit einem Sprachförderbedarf. In der Regel werden 3 bis 4 Kindertageseinrichtungen des jeweiligen Schuleinzugsbereiches betreut, sodass von einem flächendeckenden Angebot gesprochen werden kann.


Sprachförderprogramm an allgemeinbildenden Schulen

Auch an den weiterführenden Schulen sind Sprachförderlehrkräfte des PBW im Einsatz, um junge Flüchtlinge beim Erwerb der deutschen Sprache zu unterstützen. In der Sekundarstufe I sind derzeit 46 Sprachförderlehrkräfte mit 907 LWS tätig. Dies entspricht einem Stellenanteil von 32,4 Vollzeitlehrerstellen und einem Stundenanteil der beschäftigten Sprachförderlehrkräfte von jeweils 19,71 Wochenstunden. Das Programm ist an 55 Gemeinschaftsschulen aktiv. Gefördert werden landesweit rd. 1.400 Schülerinnen und Schüler. Die vorgenannten Kernprogramme wurden im Rahmen des Sofortprogramms um folgende Module erweitert:

Ehrenamtliche Sprachförderung an Grundschulen

Im Zusammenhang mit dem Sofortprogramm hat das PBW über die Erweiterung des Kooperationsvertrages mit dem Bildungsministerium für das Jahr 2015 die Fortführung des Projekts „Ehrenamtliche Sprachförderung an Grundschulen“ übernommen. Derzeit arbeiten 44 Ehrenamtliche an 25 Grundschulen im Saarland für rd. 2 Stunden die Woche. Insgesamt werden rd. 170 Kinder im Rahmen dieser Sprachförderung betreut.

Toleranz fördern – Kompetenz stärken (TFKS)

Im Nachgang zur Finanzierung aus Bundesmitteln werden im Jahr 2015 die sogenannten „Roma-Schulförderprojekte“ an 4 Standorten in Saarbrücken begleitet und jetzt aus Mitteln des saarländischen Bildungsministeriums gefördert. An den 4 Standorten (Grundschule Wallenbaum, Offene Ganztagsschule Weyersberg, Gemeinschaftsschule Ludwigspark, Montessori-Grundschule Rußhütte) erhalten ca. 80 Kinder aus Roma-Familien zusätzliche Sprachförderung. Hierfür sind 10 Sprachförderlehrkräfte der Schulen bzw. der Schulfördervereine auf Honorarbasis tätig.
            

Sprachbegleitung und soziale Integration minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge

Die Sprachförderung für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge im Verantwortungsbereich des Bildungsministeriums bezieht sich in erster Linie auf Maßnahmen in den Schulen. Hier wurden an den Beruflichen Schulen folgende Maßnahmen eingerichtet bzw. verstärkt:

 


Spezialklassen
An den Berufsbildungszentren Sulzbach, Merzig, Lebach und Homburg wurden 9 spezielle Klassen eingerichtet, in denen unbegleitete (in Lebach auch begleitete) Flüchtlinge unterrichtet werden. Diese Klassen erhalten für jede Schülerin und jeden Schüler jeweils eine zusätzliche halbe Stunde Sprachförderung (Deutsch als Zweitsprache) als Unterricht bzw. in den schuleigenen Werkstätten.

Dieser Unterricht dient dazu, die instabile Alphabetisierung zu überbrücken durch unmittelbaren Spracherwerb durch Handlung mit Gegenständen und Personen. Damit wird die angestrebte Ausbildungsfähigkeit befördert. Die Schülerinnen und Schüler absolvieren in mehreren Betrieben berufsvorbereitende Praktika und können so mögliche Ausbilder kennenlernen.

In den Clearinghäusern werden die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge vor der Einschulung in die Spezialklassen stabilisiert und in Sprache und Schrift grundgeschult. Sie werden motiviert, sich um die Aufnahme in die Spezialklassen zu bemühen. Dabei ist die Ausbildungsnähe hilfreich. Gleichzeitig kommen sie in den Berufsbildungszentren mit Jugendlichen zusammen, die das gleiche Ziel erreichen wollen.

Regelklassen
Neben den Spezialklassen werden in fast allen Berufsbildungszentren in 20 bis 25 Klassen bis zu 100 Flüchtlinge inklusiv mitbeschult. Diese erhielten bislang jedoch keine spezifische Sprachförderung. Daher wird derzeit eine Nachmittagsförderung für Flüchtlingsgruppen in bestimmten Schwerpunkt-BBZ’en (berufliche Sprach- und Integrationsförderung in Spezial- und Regelklassen) aufgebaut.

Zusätzliche Klassen in allgemeinbildenden Schulen
Bislang konnten die Kinder und Jugendlichen noch in bestehende Klassenverbände aufgenommen werden. Da weitere Flüchtlinge zu erwarten sind, wird es unumgänglich sein, neue Klassen zu bilden. Zum Schuljahresbeginn 2015/2016 wurden bereits 63 zusätzliche Klassen gebildet. Mit der Notwendigkeit weiterer Klassenbildungen ist zu rechnen.

Willkommensklassen
An folgenden Gemeinschaftsschulstandorten wurden Willkommensklassen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eingerichtet:
> 2 Willkommensklassen an den beiden Völklinger Gemeinschaftsschulen
> 1 Willkommensklasse an der Gemeinschaftsschule Merzig
> 1 Willkommensklasse an der Gemeinschaftsschule Saarbrücken-Bruchwiese

Eine-Welt-Klassen
Während des Clearingprozesses sind die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge für die Dauer von ca. 3 Monaten an den Schulen im Einzugsbereich der Clearinghäuser. Danach werden sie mitunter in einer Jugendhilfeeinrichtung in einer anderen Kommune untergebracht und müssten entsprechend die Schule wechseln. Für viele Jugendliche ist dies angesichts der gerade begonnenen sozialen Integration in der Ursprungsklasse eine ungünstige Situation. Die „Eine-Welt-Klasse“ ermöglicht ihnen zunächst ein Verbleib in der Ursprungsklasse auch nach einem Wohnortwechsel. Eine-Welt-Klassen wurden in den Gemeinschaftsschulen Völklingen-Sonnenhügel und Saarbrücken-Klarenthal eingerichtet.

 


Aus-, Fort- und Weiterbildung

Im Bereich der Aus-, Fort- und Weiterbildung werden bzw. wurden folgende Unterstützungsmaßnahmen ergriffen:

Struktur Primarstufenlehramt
Im Rahmen der neuen Struktur des Primarstufenlehramtes wird nach derzeitigen Planungen der Bereich Mehrsprachigkeit bzw. Förderung Deutsch als Zweitsprache neben dem Schwerpunkt Inklusion einen neuen Stellenwert erhalten. Daneben bietet die Universität des Saarlandes Lehramtsstudierenden ein studienbegleitendes Zusatzzertifikat „Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache“ an.

Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM)
Das LPM bietet als DaZ-Zentrum folgende Portfolio an:

Ausbildung von Sprachlernberaterinnen und –beratern
Das langfristige Ziel der Arbeit von Sprachlernberaterinnen und –beratern ist es, den Aufbau von Sprachkompetenz als Baustein der Schul- und Unterrichtsentwicklung an ihrem Schulstandort weiterzuentwickeln. Aktuell sind 20 Lehrkräfte mit 60 Deputatstunden an 13 Gemeinschaftsschulen tätig.

Fortbildungsreihe „Bildungsoffensive Sprachförderung für junge Flüchtlinge und Seiteneinsteiger_innen“
Derzeit findet eine Modulreihe Sekundarstufe I mit 7 Modulen statt. Im Schuljahr 2015/16 ist eine Modulreihe Sekundarstufe I sowie eine Modulreihe Grundschule geplant.

Kooperation mit Beruflichen Schulen
Für die Beruflichen Schulen werden drei Module Deutsch als Zweitsprache/durchgängige Sprachbildung mit besonderer Berücksichtigung der Flüchtlinge auch als Abrufveranstaltungen angeboten.

„Erste Hilfe-Box“
Für Lehrwerke und Lernmaterialien „DaZ für Grundschule und Sekundarstufe“ sind Empfehlungslisten abrufbar über die Homepage des Beratungszentrums DaZ beim LPM.

Beratungsleistungen
Das LPM bietet auch Beratungen für Einzelpersonen oder Teams zu Methodik und Didaktik DaZ mit Schwerpunktsetzung auf Materialien im Beratungszentrum DaZ an. Des Weiteren ist die Beratung und Begleitung am Schulstandort durch eine „Expertenfeuerwehr“ vorgesehen. Die Einrichtung soll zeitnah erfolgen.