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Ministerium für Finanzen und Europa
 

Das Saarland baut Frankreichkompetenz aus

21.01.2014
Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und stellvertretende Ministerpräsidentin Anke Rehlinger stellen die Frankreichstrategie der saarländischen Landesregierung vor. Photo © Staatskanzlei/carpe diem
Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und stellvertretende Ministerpräsidentin Anke Rehlinger stellen die Frankreichstrategie der saarländischen Landesregierung vor. Photo © Staatskanzlei/carpe diem

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und stellvertretende Ministerpräsidentin Anke Rehlinger stellen die Frankreichstrategie der saarländischen Landesregierung vor – für breite Diskussion und Unterstützung durch die Bürger im Land

„Das Frankreichjahr 2013 der Landesregierung aus Anlass des 50. Jubiläums des Élysée-Vertrages hat die deutsch-französische Freundschaft vertieft“, so Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer auf der heutigen Landespressekonferenz..

„Rund 200 Veranstaltungen, die von der Landesregierung, aber auch von deutsch-französischen Institutionen, Vereinen und Verbänden durchgeführt wurden, belegen den Erfolg dieses Jahres als echtes „Mitmach-Jahr“ der gelebten deutsch-französischen Beziehungen“, erklärte die Ministerpräsidentin, die zurzeit auch das Amt der deutsch-französischen Kulturbevollmächtigten bekleidet. Gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin, Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger, stellte die Regierungschefin heute vor der Landespressekonferenz in Saarbrücken die Frankreichstrategie der saarländischen Landesregierung vor. Beide Politikerinnen unterstrichen, wie wichtig die Frankreichkompetenz als Alleinstellungsmerkmal für die weitere Zukunft des Saarlandes ist.
 Die Europa- und die Frankreichkompetenz gehören untrennbar zum Erbe, zur Realität und zur Zukunft des Saarlandes. Bereits heute gibt es mit großem Abstand vor allen Ländern im Saarland die höchste Quote an Französisch-Lernern in der Schule. Die saarländische Wirtschaft ist an erster Stelle auf Produktion und den Handel mit Unternehmen jenseits der Grenze ausgerichtet; der Arbeitsmarkt profitiert von mehr als 18.000 Grenzgängern aus Lothringen und auch das kulturelle Leben an der Saar wird in vielfältiger Weise von französischen Einflüssen bereichert.
 
Der jüngste Ertrag der Frankreichkompetenz des Saarlandes ist die in diesem Monat erfolgte Eröffnung eines Büros des Deutsch-Französischen Jugendwerkes in Saarbrücken, das sich in die hier bereits ansässigen zahlreichen französischen und deutsch-französischen Institutionen, wie das französische Generalkonsulat, die Deutsch-Französische Hochschule, das deutsch-französische Sekretariat für den Austausch in der beruflichen Bildung sowie die beiden Sekretariate des Deutsch-Französischen Kulturrates, einfügt.

Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger hob insbesondere die wirtschaftliche Zusammenarbeit über die Staatsgrenzen hinweg hervor: „Vieles funktioniert zwischen den regionalen Nachbarn schon heute ganz hervorragend. Wir wollen in den nächsten Jahren die noch vorhandenen Lücken der Zusammenarbeit weiter schließen. Damit wird die Region noch enger zusammenwachsen." Für den Bereich der Wirtschaft bedeute dies, dass die Lage an der Schnittstelle zwischen zwei der größten Teilmärkte in der EU systematisch genutzt werden müsse, sagt die Ministerin. Hier gebe es gute Entwicklungschancen, „denn wir haben es mit einem echten gemeinsamen Wirtschaftsraum und einem grenzübergreifenden Arbeitsmarkt zu tun“.
 
Mit einer langfristig angelegten Frankreichstrategie will die Landesregierung diese Potenziale noch stärker nutzen und den politischen Gestaltungsspielraum unter Berücksichtigung der Konsolidierungsnotwendigkeiten gezielt ausrichten. Dazu werden in dem jetzt vorgelegten Eckpunktepapier klare Ziele und Leitmaßnahmen vorgeschlagen.
 
Im Zentrum der Vorschläge steht, das Saarland bis 2043 zu einem leistungsfähigen multilingualen Raum deutsch-französischer Prägung zu entwickeln. Die ab dem Jahr 2013 geborene Generation soll alle Chancen erhalten, damit sich die französische Sprache neben der deutschen Amts- und Bildungssprache bis zum Jahr 2043, also innerhalb einer Generation, zur weiteren Verkehrssprache im Saarland entwickeln kann.

Mit der Frankreichstrategie soll das Saarland als Brücke nach Deutschland und als Tor zu Frankreich unentbehrlich und unumgänglich werden. Die heute vorgestellten Eckpunkte einer Frankreichstrategie beinhalten zum Einen eine Binnenperspektive mit Maßnahmen für die Bereiche Sprache, Verwaltung, Wirtschaft und interkulturelle Kompetenz sowie für die Vernetzung und bessere Nutzung der Infrastrukturen zur weiteren Ansiedlung französischer, deutsch-französischer und europäischer Institutionen und Unternehmen. Zum anderen soll in der Außenstrategie das Alleinstellungsmerkmal „Frankreichkompetenz" stärker profiliert und besser kommuniziert werden. Dabei soll die politische Präsenz in Frankreich ebenso wie auf nationaler Ebene in Deutschland auf dieses Alleinstellungsmerkmal gezielter ausgerichtet werden.
 
Das Eckpunktepapier beinhaltet ein Bündel von Vorschlägen und Maßnahmen, wie zum Beispiel:
 
• Die durchgängige Vermittlung von Französisch ab der frühen Kindheit, beginnend in KiTa und Grundschule. Es wird angestrebt, auf mittlere Sicht in der Hälfte aller KiTas mit Hilfe französischsprachiger Fachkräfte die frühkindliche Spracherziehung zu gewährleisten. Dabei kann auf dem Netzwerk der bilingualen „Élysée 2020-KiTas" aufgebaut werden.
 
• Die Rekrutierung muttersprachlichen Personals oder französischsprachig ausgebildeter Fachkräfte sollen ebenso wie die Einrichtung binationaler Fachklassen in der Ausbildung von Erziehungsfachkräften intensiv geprüft werden. Auch für die Ausbildung saarländischer Lehrkräfte soll, insbesondere in der Grundschullehrerausbildung die Frankreichorientierung einen besonderen Stellenwert einnehmen.
 
• Die flächendeckende Einführung des Französisch-Unterrichts in den Grundschulen ab der 1. Klasse. Dabei wird die Konsolidierung und der Ausbau, insbesondere in den bilingualen Zügen an Grundschulen angestrebt. Der Ausbau der Angebote im Ganztagsschulbereich bietet die Chance, insbesondere die Französischförderung noch weiter zu stärken.
 
• Die Erhöhung des Sprachkompetenzniveaus in Anlehnung an das Zertifikat DELF Prim bereits am Ende der Grundschulzeit. Auch im Bereich der weiterführenden Schulen sollen wie im Sprachkursunterricht der Gemeinschaftsschule verstärkt Fördermöglichkeiten wie z.B. zusätzliche Kompetenzbescheinigungen erprobt und eingesetzt werden, die die Alltagstauglichkeit der Französischkompetenzen attestieren.
 
• Die Landesverwaltung selbst soll mit gutem Beispiel voran gehen und Französisch-Kenntnisse als Einstellungskriterium voraussetzen sowie allen Beschäftigten den Anspruch auf angemessene Sprachaus- und Fortbildung geben. Ebenso könnten französische Bürger gezielt für bestimmte Bereiche der Verwaltung rekrutiert werden.
 
• Ein Frankreich-Portal mit Informationen über Aktivitäten und Veranstaltungen mit Frankreichbezug, ein Runder Tisch Frankreich, die Einbindung der Communauté française im Saarland, die Förderung der kommunalen Partnerschaften, ebenso wie breitenwirksame Initiativen im Sport– und Kulturbereich, die unternehmerischen Aktivitäten im Messe- und Ausstellungsbereich, die Clusterbildung bei Fragen für deutsch-französische Geschäftskunden, die breit angelegte und hoch spezialisierte Frankreichkompetenz der saarländischen Medienlandschaft sind weitere Elemente.
 
Nach der Vorstellung der von der Landesregierung beschlossenen Eckpunkte einer Frankreichstrategie wird in einem nächsten Schritt ein Konsultationsverfahren durchgeführt. Institutionen, Kommunen, Kammern, Hochschulen, Verbände, Kirchen, Vereine und weitere Einrichtungen im Saarland sowie auf regionaler und nationaler Ebene in Frankreich und Deutschland werden einbezogen und können Stellung nehmen.

Dazu Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer: „Sowohl bei der weiteren Abstimmung als auch in der Frage der Umsetzung baut die Frankreichstrategie auf die breite Unterstützung der Bevölkerung und vieler Einrichtungen und Partner im Land auf. Dies ist deshalb nicht nur ein Vorhaben der Landesregierung. Vielmehr braucht es die Mitwirkung auf breiter Ebene. Das betrifft insbesondere die Bereitschaft zum Erlernen der Nachbarsprache, aber auch die Nutzung der Chancen einer Entwicklung zu einem multilingualen Sprachraum von Seiten der Unternehmen, der Kammern und Verbände, der Hochschulen, deren aktive Unterstützung wichtiger Garant für den Erfolg der Frankreichstrategie ist. Nur wenn die Frankreichkompetenz in der Breite gestärkt und von der Bevölkerung mitgetragen wird, kann sich das Saarland tatsächlich zu dem einzigen mehrsprachigen Bundesland entwickeln."
 
Wie durch die Kooperation über eine Staatsgrenze hinweg Impulse entstehen können, beweist nach Auffassung der saarländischen Wirtschaftsministerin Rehlinger seit einigen Jahren die EU-Gemeinschaftsinitiative Interreg. Dabei geht es um Technologie, Bildung, Kultur, Tourismus und Wirtschaftsförderung.  „Ab diesem Jahr läuft die neue Förderperiode von Interreg, und wir sind mit einem Millionenbudget wieder dabei“, betonte die Ministerin. Auch Projektträger diesseits und jenseits der Grenze könnten so einen Beitrag zur Frankreichstrategie leisten. Die Richtlinien würden modifiziert, damit die Mittel in Bereiche fließen, die den saarländischen und lothringischen Partnern einen strategischen und vor allem nachhaltigen Vorteil verschaffen.