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Ministerium für Bildung und Kultur
 

Modellversuch FOS.Plus: Warteschleifen vermeiden – Abbrecher- und Wiederholerquoten verringern

12.05.2015 -

Bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt für Jugendliche, Verstärkung der individuellen Förderung und eine deutliche Reduzierung der Abbrecher- und Wiederholerquoten an den saarländischen Fachoberschulen (FOS) – das sind die Ziele des landesweiten Modellversuchs FOS.Plus, den Bildungsminister Ulrich Commerçon gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des Hauptpersonalrates der Beruflichen Schulen heute in Saarbrücken vorgestellt hat.

„Mit dem Versuch FOS.Plus wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, dass Jugendliche ihre Zeit nicht mit hoher Verweildauer in Warteschleifen verbringen, sondern ihre Chancen auf gute Ausbildungs- und Schulabschlüsse wahrnehmen können.“ Bild: © fotolia.com
„Mit dem Versuch FOS.Plus wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, dass Jugendliche ihre Zeit nicht mit hoher Verweildauer in Warteschleifen verbringen, sondern ihre Chancen auf gute Ausbildungs- und Schulabschlüsse wahrnehmen können.“ Bild: © fotolia.com

Der Modellversuch ist auf vier Jahre angelegt und wird bereits zum kommenden Schuljahr starten.

„Mit dem Versuch FOS.Plus wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, dass Jugendliche ihre Zeit nicht mit hoher Verweildauer in Warteschleifen verbringen, sondern ihre Chancen auf gute Ausbildungs- und Schulabschlüsse wahrnehmen können. Gleichzeitig ergreifen wir qualitätsverbessernde Maßnahmen an der FOS, um die Studierfähigkeit der FOS-Schülerinnen und Schüler zu verbessern“, so Bildungsminister Commerçon. „Auf diese Weise profitieren alle Beteiligten: Die Jugendlichen erhalten konkrete Beratungsleistungen und Hilfestellungen. Die Betriebe werden bei der Fachkräfte- und Nachwuchssicherung unterstützt. Die FOS und Beruflichen Schulen werden entlastet. Die Studieneignung der FOS-Absolventinnen und -Absolventen wird verbessert.“

Klaus Graus, Vorsitzender des Hauptpersonalrates (HPR) der Beruflichen Schulen, betonte: „Der HPR Berufliche Schulen begrüßt den Modellversuch grundsätzlich und freut sich, dass die Fachoberschule weiter entwickelt wird und dadurch  an Attraktivität gewinnt. Im Detail gibt es sicherlich noch Verbesserungspotenzial, das im Laufe der Modellversuchszeit auch ausgeschöpft werden muss. Wir verstehen diesen Modellversuch als lernendes System, das genau beobachtet, evaluiert und weiter entwickelt werden muss. Dies werden wir als HPR konstruktiv begleiten.“

Mit dem Modellversuch FOS.Plus setzt der Minister ein Vorhaben der Großen Koalition um. Im Koalitionsvertrag heißt es: „Die Struktur der beruflichen Vollzeitschulen werden wir überprüfen und – sofern erforderlich – Justierungen vornehmen, um die Abbrecher- und Wiederholeranteile zu verringern und Warteschleifen zu vermeiden.“

Laut Stichproben des Ministeriums für Bildung und Kultur wiederholen rd. 10 Prozent der FOS-Schülerinnen und Schüler bereits die Klassenstufe 11. 10 bis 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler gehen vorzeitig von der Schule. Die Klassenstufe 12 durchlaufen nach den Prüfungsstatistiken rd. 33 Prozent der Schülerinnen und Schüler nicht erfolgreich, weil sie die Klasse 12 vorzeitig beenden oder weil sie die Prüfung nicht bestehen. Die Folge: Viele Schülerinnen und Schüler wiederholen die Klassenstufe und sind zu lange in den Fachoberschulen gebunden. Lernklima und Lernerfolg in den Klassen werden ebenso beeinträchtigt wie die erforderliche Studienreife. Der Modellversuch FOS.Plus soll hier gegensteuern.

Fachoberschule
Die Fachoberschule umfasst die Klassenstufen 11 und 12. Sie bereitet auf ein Studium an einer Fachhochschule und auf anspruchsvolle theoriebetonte Ausbildungsberufe vor. In Klassenstufe 11 arbeiten die Schülerinnen und Schüler an drei Tagen in der Woche im Rahmen eines Praktikums im Betrieb und an zwei Tagen in der Woche besuchen sie den Unterricht in einer Fachoberschule des entsprechenden Fachbereichs. In Klassenstufe 12 erwerben die Schülerinnen und Schüler vertiefte allgemeine und berufliche Kenntnisse und bereiten sich im Vollzeitunterricht auf die Abschlussprüfung zum Erwerb der Fachhochschulreife vor.

Praktikumsbetreuung und Bildungswegeberatung
Wesentlicher Baustein des Modellversuchs FOS.Plus ist eine neue Praktikumsbetreuung und Bildungswegeberatung für Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 11, die während ihres Betriebspraktikums in Zukunft durch eine Lehrkraft betreut und mittels einer Bildungswegeberatung im Betrieb vor Ort über die Möglichkeiten einer dualen Berufsausbildung beraten werden. Auf diese Weise wird Schülerinnen und Schülern, die die Klassenstufe 11 absehbar wiederholen werden oder deren Bildungsweg über eine Berufsausbildung mehr Erfolg verspricht, eine neue Perspektive eröffnet. Den betreuenden Lehrkräften wird ein Kontingent von einer Wochenstunde zur Verfügung gestellt.

Individuelle Förderung
Um die Erfolgsquote in Klassenstufe 12 zu steigern, werden in der Klassenstufe 11 für jede Schülerin und jeden Schüler drei zusätzliche Wochenstunden in den Fächern Mathematik, Fremdsprache und Deutsch eingeplant. Diese Zusatzstunden werden je auf den individuellen Förderbedarf abgestimmt und eingesetzt. Zur Gewährleistung des individualisierten Unterrichts werden diese Stunden von der Leistungsmessung ausgenommen.

Durch die Zusatzstunden entfallen die bisherigen Lernstoffwiederholungen im regulären Unterricht der Klassenstufe 11. Durch das Zusammenwirken von Praktikumsbetreuung, Bildungswegeberatung und individueller Förderung wird es den Jugendlichen ermöglicht, sich relativ frühzeitig bei Bedarf in Richtung einer Berufsausbildung umzuorientieren. Das Verharren in Warteschleifen und Übergangssystem kann so reduziert, das Lernniveau verstetigt und die Anzahl der Wiederholerinnen und Wiederholer in Klassenstufe 12 verringert werden.

Anpassung des Jahrespraktikums
Zur Kompensierung der zusätzlichen Unterrichtsstunden wird der Umfang des Praktikums angepasst. Die Praktikumsdauer verringert sich um 160 Zeitstunden. Bisher umfasst ein Jahrespraktikum 1.200 Zeitstunden, im Modellversuch werden es 1.040 Zeitstunden sein. Die Rahmenvereinbarung der Kultusministerkonferenz verlangt lediglich 800 Stunden.

Konzept- und Aufgabenentwicklung
Zur Konzept- und Aufgabenentwicklung erhalten die Schulen je Standort im ersten Jahr 5, im zweiten Jahr 4 und im dritten Jahr 3 Ermäßigungsstunden. Für die landesweite Koordinierung werden für drei Jahre jeweils vier Ermäßigungsstunden zur Verfügung gestellt.

Finanzierung des Modellversuchs FOS.Plus
Die Umsetzung des landesweiten Modellversuchs FOS.Plus erhöht zunächst den Bedarf an Unterrichtsstunden je Klasse 11 um 4 Unterrichtsstunden. Das Ministerium geht davon aus, dass sich die Gesamtzahl der Unterrichtsstunden mittelfristig aufgrund der geringeren Anzahl von Schülerinnen und Schüler, die eine Klassenstufe wiederholen, jedoch auf Dauer verringern wird. Damit „refinanziert“ sich die Maßnahme im Zeitablauf. Die Mehraufwendungen an Unterrichtsstunden werden ab 2018 voraussichtlich kompensiert.

Dauer des Modellversuchs FOS.Plus
Der landesweite Modellversuch FOS.Plus wird nach Ablauf des Schuljahres 2018/2019 abgeschlossen sein. Nach Ablauf der Modellphase ist dann aufgrund der gesammelten Erfahrungen zu entscheiden, ob und inwieweit die Regelungen des Modellversuchs FOS.Plus zu einer Änderung der Schulordnung der Fachoberschulen führen sollen.