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Energie
 

Wege zum sorgsamen Umgang mit Grubenstandorten

27.08.2013
Die Anlage Itzenplitz gehört zu den vier Standorten, an denen sich die lange Geschichte des saarländischen Steinkohlenbergbaus exemplarisch darstellen lässt. Foto © Höhmann
Die Anlage Itzenplitz gehört zu den vier Standorten, an denen sich die lange Geschichte des saarländischen Steinkohlenbergbaus exemplarisch darstellen lässt. Foto © Höhmann

Das Wirtschaftsministerium und die RAG AG haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, mit den Bergbaudenkmälern des Saarlandes trotz schwieriger Finanzlage sorgsam und angemessen umzugehen. Fachliche Grundlage ist ein Gutachten, das nicht nur Aspekte der Industrie- und Technikgeschichte beleuchtet, sondern vor allem strategische Ansätze für die Erhaltung und Nutzung ehemaliger Grubenstandorte darstellt. Wirtschaftsminister Heiko Maas und Friedrich Breinig, Regionalbeauftragter der RAG im Saarland, stellten gemeinsam mit Gutachter Rolf Höhmann Details der Arbeit vor.

Im Eigentum der RAG AG befinden sich im Saarland 14 denkmalgeschützte Anlagen. Sie werden in dem Gutachten nach festen Kriterien (etwa Alter, Vollständigkeit, Technik und Bauzustand) bewertet und gewichtet. Zum anderen werden sie mit acht weiteren Standorten anderer Eigentümer sowie acht ehemaligen Bergwerksbetrieben in Lothringen verglichen. Maas: „Das Ergebnis der Gutachter lässt sich in einer Bewertungs- und Qualitätsmatrix darstellen. Vier Tagesanlagen von besonderer industriearchäologischer, technikgeschichtlicher und denkmalpflegerischer Bedeutung stechen dabei hervor:“ Es sind dies:

  • Grube Camphausen, Gemeinde Quierschied
  • Grube Luisenthal, Mittelstadt Völklingen
  • Grube Itzenplitz, Gemeinde Schiffweiler
  • Grube Velsen, Landeshauptstadt Saarbrücken

Eine exemplarische, denkmalverträgliche Standortentwicklung scheine an diesen Orten besonders sinnvoll, sagte der Minister. Denkmalqualitäten würden auch den bereits gesicherten Großanlagen in Reden und Göttelborn bescheinigt. Für weitere Objekte, die Denkmalwert besitzen, sollen realistische Pläne zur weiteren Verwendung entwickelt werden. Zum Teil gibt es dafür bereits Konzepte oder örtliche Ansätze, auf denen sich dabei aufbauen lässt. Das Bergbauunternehmen RAG ist bemüht, neue Trägerstrukturen und Folgenutzungen durch Dritte zu finden.

Vier Leitbilder

Die Steinkohlengewinnung hat viel zur saarländischen Identität beigetragen. Vor diesem Hintergrund plädieren die Gutachter dafür, die Begriffe „Arbeit“, „Energie“, „Landschaft“ und „Grenze“ in den Mittelpunkt einer Leitbildkonzeption zu stellen. Dahinter steht der Gedanke,

  • dass der Bergbau sowie die Eisen- und Stahlindustrie hier die Arbeitsformen stark geprägt haben,
  • dass durch intensive Gewinnung von Energie die Industrialisierung und Wohlstand für die Region erst möglich wurden,
  • dass die Industrialisierung weiträumig die Landschaft beeinflusste,
  • dass in der Nähe der Staatsgrenze und in deren geschichtlich bedingter Überwindung die besondere Entwicklung des Landes begründet ist.

Die Leitbegriffe lassen sich den vier Premiumstandorten zuordnen, so entsteht ein roter Faden für die Zukunft. Camphausen soll sich zu einem „Ort für neue Arbeit“ entwickeln, Luisenthal zu einem „Ort zur Gewinnung regenerativer Energie“, Itzenplitz zu einem „Ort hochwertiger Bergbaufolgelandschaft“ und Velsen zu einem „Ort zur Darstellung und Überwindung der Grenze“. Maas: „Es geht nicht um eine rein museale Darstellung. Vielmehr spricht sich das Denkmalgutachten klar dafür aus, Anlagen und Gebäude zu nutzen, um entsprechend den Leitbegriffen auch Zukunftsperspektiven zu schaffen. Die Besonderheiten der vier Standorte geben dazu viele Möglichkeiten an die Hand.“

Die Umsetzung dieses Gutachtens wird mit hohen Kosten verbunden sein: Sie lassen sich aktuell nur grob einschätzen, konkrete Zahlen werden sich erst im Laufe des gesamten Prozesses ergeben. Die Gutachter nennen einen Näherungswert von 2,2 Millionen Euro. Diese Summe wird für die reine Instandsetzung im Sinn einer Sicherung der vier ausgewählten Standorte als Untergrenze angesehen. In dem Mindestbetrag sind Kosten für die noch zu definierende Folgenutzung nicht enthalten.

Hilfreiche Orientierung

Für die RAG sagte Regionalbeauftragter Friedrich Breinig, es werde nicht möglich sein, alle unter Denkmalschutz stehenden Objekte aus der langen Geschichte des saarländischen Steinkohlenbergbaus zu erhalten. Das Gutachten gebe eine hilfreiche Orientierung, welche Objekte unbedingt erhalten werden sollten und auf welche verzichtet werden könne. Der RAG sei es beihilferechtlich nicht gestattet, über ihre bergrechtlichen Verpflichtungen hinaus Aufwendungen für Denkmäler zu übernehmen. Breinig kündigte an, die RAG sei jedoch bereit, denkmalgeschützte Anlagen an andere Nutzer abzugeben und die ersparten Abrisskosten zur Verfügung zu stellen. Nicht erhaltenswerten Anlagen drohe nicht der sofortige Abriss. Die RAG werde vielmehr die Chance, dass auch für diese Objekte neue Nutzer und Investoren gefunden werden, so lange wie möglich offen halten. Die Entscheidung zum Abriss stelle sich mittelfristig erst, wenn der Erhaltungsaufwand beihilferechtlich nicht mehr zulässig sei. Breinig erinnerte ferner daran, dass sich die RAG an einem Standort mit denkmalgeschützten Objekten selbst einbringe. So werde sie auf der Tagesanlage Duhamel alle Aktivitäten konzentrieren, die sich längerfristig aus dem stillgelegten Bergbau ergeben. Duhamel werde auch für RAG Montan Immobilien ab 2014 der neue Unternehmenssitz im Saarland werden.

Gutachter Rolf Höhmann hebt als Besonderheit der saarländischen Situation die „vielfach wechselnde territoriale Zugehörigkeit zwischen Frankreich und Deutschland“ hervor. Dies sei für die Erinnerung an den Bergbau ein wichtiger Punkt: „Welcher junge Mensch wird in wenigen Jahren noch wissen, dass es zwischen Großrosseln und Petite-Rosselle Grenzkontrollen gab? Und dass unter dieser Grenze von beiden Seiten fleißig Kohle abgebaut wurde?“ Darin liege ein Aspekt europäischer Integration, der noch zu wenig dargestellt werde: „La Mine und Velsen bieten dazu beste Möglichkeiten.“

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Wortlautauszüge aus dem Gutachten Höhmann/Daube zu den saarländischen Bergbaustandorten. Die Inhalte sind urheberrechtlich geschützt.