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Denkmalpflege
 

Fundstücke

Fundstücke

Eine bronzene Schöpfkelle aus den Jahren um Christi Geburt

Zu den bedeutendsten Neufunden in der Altertümersammlung gehört dieses auf den ersten Blick eher unscheinbare Bronzegerät (H. 16,1 cm) aus einem reich ausgestatteten, in einheimisch- gallischer Tradition angelegten Grab vom Gelände der Dillinger Hütte, das um die Zeitenwende in den Boden geraten ist. Der Schöpfer (lat. simpulum) wurde gebraucht, um Getränke aus einem größeren Behälter in einen Becher zu gießen. Der Stiel läuft in einen kleinen Sieblöffel aus, der dazu diente, Kräuter und Gewürze, wie sie damals etwa dem Wein zugesetzt wurden, aus dem Becher abzuschöpfen. Im Grab lag der Schöpfer dicht neben einem Trinkbecher aus Keramik.

Diese spezielle Form des simpulum mit einfachem zylindrischem Unterteil, flachem Boden und bandförmigem, in einem Sieblöffel endenden Griff ist bisher nur in wenigen Exemplaren bekannt, die weithin in Mittel- und Südeuropa verbreitet sind und wahrscheinlich in Oberitalien produziert wurden. Die Stücke wurden in Treibarbeit hergestellt und anschließend auf der Drehbank nachbearbeitet. Sie wurden nur in einer kurzen Zeitspanne um Christi Geburt erzeugt und gehörten zum Beispiel zur Ausstattung der römischen Truppen, die in dem zwischen 11 und 9 v. Chr. genutzten Kastell Oberaden stationiert waren. Schöpfer dieser Form sind dort immerhin in drei Exemplaren belegt.

Bronzegefäße sind in römischen Gräbern rar. Betrachtet man einfache ländliche Friedhöfe, so findet sich kaum einmal ein Metallgefäß. Zwei Metallgefäße im selben Grab, wie in dem Dillinger Inventar, sind noch seltener. Es handelt sich also um eine luxuriöse Beigabe. Das wird richtig deutlich, wenn man sich die Funktion des simpulum vor Augen führt. Es ist eigentlich ein unpraktisches, umständlich zu handhabendes und nicht wirklich notwendiges Gerät, das aber bei den Ritualen des antiken Symposiums, eines nach festen Regeln repräsentativ ablaufenden Trinkgelages, eine Rolle spielte. Sein Besitz signalisiert in der damals neu eroberten und ganz am Rand der römischen Welt gelegenen, in den Jahren um Christi Geburt noch stark keltisch geprägten Region an der Saar nicht nur Wohlhabenheit, sondern vor allem eine Übernahme vornehmer römischer Sitten. Der Prozess der Romanisierung, womit die Anpassung einheimischer Bevölkerung an die Kultur der neuen Herren gemeint ist, wird hier schlaglichtartig genau zu der Zeit fassbar, als Kaiser Augustus daran ging, die bereits von Caesar eroberten Gebiete auch strukturell dem römischen Reichsgebiet anzuschließen (Wolfgang Adler).