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Grabungen in der vorgeschichtlichen Burg auf dem Königsberg bei Siersburg

19.11.2014

Im Oktober 2014 fanden auf dem Königsberg bei Siersburg archäologische Ausgrabungen des Landesdenkmalamtes im Ministerium für Bildung und Kultur statt. Sie wurden unterstützt von der Gemeinde Rehlingen-Siersburg und von der AWO Siersburg. Die Grabungen setzten Untersuchungen von 2010 und 2013 fort. Erforscht wurde eine im Gelände noch gut sichtbare, aus Wall und Graben bestehende Befestigungsanlage auf einem zum Saartal vorspringenden Bergsporn. Der Berg fällt nach drei Seiten steil ab. Durch den Wall war er auch von der vierten Seite her schwer zugänglich. Solche Bergfestungen wurden in vorgeschichtlicher bis frühmittelalterlicher Zeit errichtet. Der eindrucksvolle Wall mit vorgelagertem Graben gehört zu den Attraktionen am Premium-Wanderweg „Idesbachpfad“.

Nachdem 2010 und 2013 Wallabschnitte ausgegraben worden waren, die bereits oberirdisch Störungen durch Steingewinnung oder Wegebau erkennen ließen, wurde in diesem Jahr ein noch intakter Bereich untersucht. So konnte der Aufbau des Walles vollständig geklärt werden. Er ist über 2 m hoch und enthält eine mächtige, noch 1,4 m hohe, aus großen Sandsteinen ohne Mörtel und ohne eine stützende Holzkonstruktion aufgesetzte Mauer. Ihre Außenfront besteht aus ausgesuchten größeren Steinblöcken. Hinter der 1,6 m breiten Trockenmauer war eine schräg von der Innenfläche aufsteigende Rampe angeschüttet. Das Bauwerk weist keine Umbauten oder Veränderungen auf. Daraus – und auch aus weiteren Indizien – ergibt sich, dass es nicht lange bestanden haben kann.

Die Konstruktion der Festungsmauer samt dem 2010 und 2013 freigelegten Tor ist jetzt geklärt. Über die Nutzung der durch die Mauer geschützten Fläche des Bergsporns wissen wir dagegen nur sehr wenig. Sie erbrachte bislang nur einige Erdverfärbungen und Keramikscherben.

Die Datierung der Festung auf dem Königsberg ist noch nicht genau festzulegen. Die Mauer- und Torkonstruktion, die Art des Festungsgrabens sowie die wenigen bisher entdeckten Keramikscherben weisen sicher in vorchristliche Zeit, am ehesten in die späte Bronzezeit (Urnenfelderzeit; ca. 1200-800 v. Chr.). Das ist die Epoche, in der die Region um Siersburg / Wallerfangen durch eine starke Konzentration kultisch motivierter Bronzehortfunde hervortritt. Sie werden gern – ganz hypothetisch – mit den Kupfererz-Vorkommen bei Wallerfangen verknüpft. In diese Hypothese ließe sich die Burg auf dem Königsberg gut einbinden: möglicherweise sollte sie den Zugang zu den wirtschaftlich bedeutenden Erzlagerstätten bei St. Barbara kontrollieren.

Die Front der 1,6 m dicken Festungsmauer ist ungewöhnlich gut erhalten. Dahinter war eine breite, schräg von der Innenfläche ansteigende Rampe aus Lehm und kleinen Steinen aufgeschüttet.
Die Front der 1,6 m dicken Festungsmauer ist ungewöhnlich gut erhalten. Dahinter war eine breite, schräg von der Innenfläche ansteigende Rampe aus Lehm und kleinen Steinen aufgeschüttet.