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Bahnhof Beckingen

17.06.2013 -

Beckinger Bahnhof nach vierjähriger Bauzeit fertiggestellt

Lange fristete der Bahnhof Beckingen ein trostloses Dasein. 1944/45 hatte er seinen Turm verloren und war schwer beschädigt worden, danach entstellend wieder hergestellt und umgebaut worden. Durch die Verlegung der Bahnsteige 2001 und die Auslagerung der Sicherungstechnik schließlich verlor er jegliche Funktion und verwahrloste – ein Abbruch schien immer wahrscheinlicher zu werden.

Dabei ist das Stationshaus Beckingen der zweitälteste erhaltene Bahnhof im Saarland und der schönste der Saarstrecke. Die Baupläne, so wissen wir von der 1884 angefertigten Kopie, reichte am 17. Dezember 1857 ein Abteilungs-Baumeister Lieber ein. Es handelt sich hierbei um den 1825 in Düsseldorf geborenen Otto Lieber, der mit dem Eisenbahnbau hier ins Saarland gekommen war – wie viele andere junge Baumeister und Architekten – und wie diese hat er später Karriere gemacht. Otto Lieber wurde 1865 Kreisbaumeister in Mühlheim an der Mosel und 1869 Bauinspektor in Saarbrücken. Dort entwarf er das Winterbergdenkmal. 1873 kehrte er nach Düsseldorf zurück, wurde Regierungs- und Baurat, dann Geheimer Baurat. 1892 ging er in den Ruhestand, 1897 ist er gestorben.

An Heilig Abend 1857 wurden die Pläne in Saarbrücken revidiert und am 21. Januar 1858 in der Abteilung für Eisenbahnwesen im Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten in Berlin freigegeben. Das Stationshaus wird noch 1858, spätestens 1859 fertiggestellt. Am 26. Mai 1860 wurde die Saarstrecke feierlich eröffnet - spätestens ab diesem Zeitpunkt besaß der Bahnhof auch eine Telegraphenstation.

Dabei war der Bahnhofsbau in Beckingen eigentlich eine gewöhnliche Angelegenheit. Beckingen war lediglich Haltestelle der 3., untersten Kategorie und deswegen sah man für den Plan auch einen einfachen Typenbahnhof vor, nach einem Grundriss, wie er sich an der Saarstrecke mehrfach findet und wie er sich beispielsweise mit dem Bahnhof Wiltingen zwischen Saarburg und Konz erhalten hat. Und dennoch gelang es in Beckingen, aus dieser Aufgabe etwas ganz Besonderes zu machen: einen Bahnhof als kleines, verträumtes Ritterschloss – Rheinromantik an der Saar.

Auch wenn nicht im Einzelnen bekannt ist, wer hierfür den Impuls gab und wer hierfür die erheblichen notwendigen Mehrkosten bewilligte – wir ahnen aber immerhin, warum. In einem großen Artikel über die Saarstrecke in der amtlichen preußischen Zeitschrift für Bauwesen 1863 kann man es nachlesen: „Am Ende der Section liegt die Haltestelle Beckingen an einem sehr romantischen Punkte des hier sich besonders lieblich gestaltenden Saar-Thales, …“ Der Bahnhof Beckingen wird denn auch mit Grundriss und Fassadenplan eigens hervorgehoben.

Die nunmehr abgeschlossenen Renovierungsarbeiten, für die das Landesdenkmalamt bereits 2005 eine Schadenskartierung und Kostenschätzung in Auftrag gegeben hatte, galten vornehmlich der Sandsteinfassade, die in traditioneller Steinmetzarbeit repariert und ergänzt wurde. Für die völlig neu wieder zu errichtenden Bauteile, den Turm und die Zwerchgiebel am Wartesaalanbau, wurde ein farblich angepasster Klinker anstelle eines Sandsteinmauerwerks gewählt, um diese Ergänzungen als Zutat ablesbar zu gestalten. Die Eindeckung mit Schiefer und die Neuanfertigung von Fenstern in Anlehnung an solche aus der Bauzeit rundete die Sanierung ab, die auch Details, etwa die Zinkdruckschrift am Bahnsteig (um 1880) oder einen Taxi-Telefonkasten (um 1960) mit einbezog.

Das weitgehend verlorene Innere wurde unter Wahrung des Typengrundrisses im Erdgeschoss in zurückhaltenden Formen modern gestaltet, ebenso die Außentüren. Im Herbst 2013 wird mit dem Informationszentrum zum Naturschutzgebiet Wolferskopf und der Tourismuszentrale der Gemeinde Beckingen die künftige Nutzung aufgenommen.

Gesamtansicht des Beckinger Bahnhofs
Gesamtansicht des Beckinger Bahnhofs