Saarland.de - Startseite
   Benutzerhinweise    Inhalt    Suche
Denkmalpflege
 

Kapelle St. Joseph in Mettlach

10.06.2013 -

Nach nunmehr über siebenjähriger Bauzeit ist die Restaurierung der St. Josephskapelle in Mettlach zum Abschluss gebracht worden.

Innenraumansicht der Josephskapelle nach der Restaurierung
Innenraumansicht der Josephskapelle nach der Restaurierung

Dank der seit 2007 laufenden Gesamtinstandsetzung erstrahlt die neogotische St. Josephskapelle in Mettlach wieder als kunsthistorisches Juwel. Nach der schrittweisen Sanierung des Außenbaus, der auch die Nachbildung von verlorenen Bauterrakotten einschloss, konnte im Inneren die qualitätvolle bauzeitliche Ausmalung, die in den 1950er Jahren hinter Weichfaserplatten und Dispersionsanstrichen verschwunden war, wieder freigelegt werden. Wände und Decken sind in strahlender Farbigkeit ausgemalt. Unter blau gefassten Gewölben mit Sternen stellen spätnazarenische Zwickel-Malereien im Chor die vier Evangelisten und das Lamm Gottes dar, die Längsseiten zeigen nach der Freilegung wieder die acht "Seligpreisungen" der Bergpredigt. Herausragend ist der reiche Fliesenschmuck als Teppichbehang der Wände.

Der nun wieder als Gesamtkonzept erlebbare Innenraum gibt den außergewöhnlich gut erhaltenen Eindruck eines Kirchenraums im Stil des Historismus wieder. Ursprünglich stand der kleine Bau, ein Werk des Wallerfanger Architekten Himpler von 1864, in Wallerfangen. Dort wurde er 1878 Stein für Stein abgetragen und bis 1882 unter Verwendung weiter Teile in Mettlach als Krankenhauskapelle und Grablege der Familie v. Boch wiedererrichtet. Dabei versah Eugen von Boch die Kapelle mit einer aufwändigen Innenfassung und überreich mit Mosaik, Fliesen und Bauschmuck aus Terrakotta – gleich einem gebauten Musterkatalog seiner eigenen Erzeugnisse.

Die Freilegung der historischen Fassungen war konservatorisch notwendig und kunstgeschichtlich geboten. Von Rekonstruktionen wurde dabei weitgehend abgesehen und die Retuschen sind zurückhaltend ausgeführt. Was völlig verloren oder nicht mehr wieder herstellbar war, wurde mit einer schlichten, reduzierenden Neufassung ergänzt. Ziel war dabei die Würde des Raums, so dass das Original nicht unter dem Verlust leidet und in seiner jeweiligen Qualität wieder erlebbar wird.

Was der frühere Wallerfanger Kaplan und spätere Hausgeistliche der Witwe Thierry, Johann Christian Lager, 1898 in einem Nachruf auf Eugen von Boch schrieb, kann so denn auch, 115 Jahre später, wieder oder immer noch, Gültigkeit beanspruchen:

„Er war es, welcher die herrliche gothische, ehemals in Wallerfangen an dem Hause der ebenfalls unvergessenen edlen Dame, Frau Thiéry, geb. von Lasalle, stehende Kapelle, als sie dort ihren Zweck nicht mehr erfüllte, Stein für Stein mit großen Kosten nach Mettlach schaffen und sie hier an dem Krankenhause mit noch größeren Kosten wieder aufbauen ließ, so dass sie nunmehr in ihrem Äußeren und Innern als eines der schönsten Denkmäler gothischer Baukunst, wenn nicht das schönste, an der ganzen Saar und weitester Umgegend dasteht.“

Deckenmalerei der Kapelle St. Joseph nach der Restaurierung, © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Preiss
Deckenmalerei der Kapelle St. Joseph nach der Restaurierung, © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Preiss