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Ministerium für Inneres, Bauen und Sport
 

Zukünftig „auf Sicht fahren“

Die Bundeswehr organisiert mindestens einmal im Jahr eine Informations- und Diskussionsveranstaltung des Netzwerks „Zivil-Militärische Zusammenarbeit“ im Saarland zu aktuellen Themen aus dem gemeinsamen Aufgabenspektrum. In Kooperation mit dem saarländischen Ministerium für Inneres und Sport lud das Landeskommando Saarland zu einem Workshop mit dem Thema „Erfahrungen aus der Flüchtlingshilfe“ in der Graf-Werder-Kaserne in Saarlouis ein.

Oberst Felsmann (r.) und Staatssekretär Seel (Mitte) waren die Gastgeber des diesjährigen ZMZ-Workshops. (Quelle: LKdo SL/Jung)
Oberst Felsmann (r.) und Staatssekretär Seel (Mitte) waren die Gastgeber des diesjährigen ZMZ-Workshops. (Quelle: LKdo SL/Jung)

Unter den zahlreichen Gästen waren sowohl hochrangige Vertreter aus dem Ministerium für Inneres und Sport sowie aus dessen nachgeordneten Behörden – wie dem Landesverwaltungsamt des Saarlandes und der Landesaufnahmestelle Lebach – als auch wichtige Repräsentanten von Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr. Ergänzt wurde der Teilnehmerkreis durch Angehörige und Multiplikatoren von den in der saarländischen Flüchtlingshilfe involvierten Hilfsorganisationen – wie beispielsweise vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), vom Technischen Hilfswerk (THW) und von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). In Form von Impulsvorträgen erörterten die geladenen Experten den aktuellen Stand der Flüchtlingshilfe im Saarland. Darüber hinaus beleuchteten sie die gemeinsamen Herausforderungen der letzten Monate und verdeutlichten die gewonnenen Erkenntnisse aus ihren jeweiligen Perspektiven.

Grundsatz der Marine sollte zukünftig Anwendung finden

Oberst Reinhard Felsmann, Kommandeur des Landeskommando Saarland, beschrieb in seinem Vortrag über die Verfahrensweisen subsidiärer – also unterstützender – Hilfeleistungen die empfohlene weitere Vorgehensweise aus militärischer Sicht: „Es muss zukünftig ein Stück weit in die Ungewissheit hinein gehandelt werden. Unsere Marine kennt bei schlechter Sicht den Grundsatz ‚auf Sicht fahren‘. Also schauen was kommt und dann steuernd eingreifen, um damit das große Schiff gegebenenfalls umlenken zu können.“

Optimierung der bisherigen Ablaufprozesse

Im Rahmen des Erfahrungsaustausches saarländischer Akteure in der Flüchtlingshilfe lag der Fokus der Veranstaltung in der Optimierung der bisherigen Ablaufprozesse sowie auf der Nachhaltigkeit in den Entscheidungen. Nach Auffassung der Redner würde die Herausforderung in Zukunft darin bestehen, auf spontane Situationsveränderungen professionell und im Verbund der Kräfte zu reagieren. „Einerseits da planen, wo wir Dinge prognostizieren können“, so Dr. Christof Hoffmann, Direktor des für die Landesaufnahmestelle Lebach zuständigen Landesverwaltungsamtes des Saarlandes, „und andererseits mit den Fähigkeiten, die aus dem Zusammenwirken der Kräfte hervorgehen, improvisieren.“

Nur gemeinsam stark

Auch die enge Kooperation zwischen den zivilen Behörden und der Bundeswehr sowie die unentbehrliche Unterstützung der Soldatinnen und Soldaten sowie der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer im Saarland wurden in den unterschiedlichen Resümees immer wieder hervorgehoben. „Nur im Verbund mit haupt- und ehrenamtlichen Kräften, den Hilfsorganisationen und den Wohlfahrtsverbänden sowie sonstigen externen Kräften konnte die Flüchtlingssituation in der Landesaufnahmestelle Lebach positiv bewältigt werden“, fasste Lars Kühn, Leiter des „InfoPoint“ in der Landesaufnahmestelle in Lebach, in seinem Kurzvortrag seine Erfahrungen der letzten Monate zusammen. In den Vorträgen wurde auch deutlich, dass die Unterstützung durch Reservisten eine unverzichtbare Stütze für die Bewältigung der Flüchtlingskrise war. „Als Bindeglied zwischen Truppe und Zivilgesellschaft konnten die eingesetzten Reservisten mit ihrer Kompetenz, Flexibilität und Einsatzbereitschaft die aktive Truppe an wichtigen Stellen des Amtshilfeprozesses entlasten“, lobte Oberst Felsmann den sehr engagierten Einsatz der saarländischen Reservisten. „Die Kameraden trugen somit unmittelbar dazu bei, dass die Bundeswehr im Saarland trotz Umstrukturierungsmaßnahmen ein verlässlicher Partner an der Seite unseres Bundeslandes war und nach wie vor auch ist.“

Dank der saarländischen Landesregierung an alle Helfer

Staatssekretär Christian Seel vom Ministerium für Inneres und Sport bedankte sich im Namen der gesamten saarländischen Landesregierung bei allen anwesenden Akteurinnen und Akteuren für deren bisherige Unterstützung, deren Engagement und Flexibilität. „Wir blicken auf eine äußerst konstruktive Zusammenarbeit zurück, die durch Verlässlichkeit und Vertrauen geprägt war und somit auch durchaus kontroverse Diskussionen zugelassen hat“, erklärte der Staatssekretär. Seel gab jedoch zu bedenken, dass erst ein Zwischenziel erreicht sei: „Wir stehen vor weiteren, großen Herausforderungen in der Flüchtlingshilfe. Doch zusammen sind wir stark und werden auch diese Aufgaben erfolgreich meistern.“

„Phase Eins“ erfolgreich abgeschlossen

Eine Podiumsdiskussion mit allen Referenten rundete die Veranstaltung ab. Hierbei war es den Gästen möglich, die noch offenen Fragen im Dialog mit allen Anwesenden zu klären und die konkrete Zusammenarbeit zwischen den zivilen und militärischen Dienststellen bei der Lösung der Flüchtlingsproblematik noch einmal zu thematisieren.

„Ich glaube, es war kein schlechter Zeitpunkt, dass wir heute ‚Phase Eins‘ abschließen konnten“, resümierte Oberst Felsmann in seinem Schlussplädoyer. „Wir konnten uns heute austauschen, wo wir stehen und was unsere bisherigen Erfahrungen sind, um gegebenenfalls dort anzusetzen und auf Grundlage dieser gewonnen Erkenntnisse dann eventuell bei einer ‚Phase Zwei‘ weiterzumachen.“

 

Quelle: Landeskommando Saarland