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Land & Leute
 

Saarländisch

Eins vorweg: 'Die saarländische Mundart' gibt es nicht. Sie können saarländisch essen oder ins Saarland fahren. Es gibt keinen einheitlichen saarländischen Dialekt. Das Saarland spricht nämlich mehrere Mundarten.

Es ist einerseits das Moselfränkische, welches durch die berühmte europäische Sprachgrenze, die das-dat-Linie von dem Rheinfränkischen getrennt wird. Diese Grenze geht quer durchs Land, ihr Verlauf konnte früher in Dörfern und bis in Straßenbereiche hinein festgelegt werden. Diese Sprachgrenze läuft nördlich von Saarbrücken an der alten Grafschaftsgrenze entlang, das Köllertal hinauf in die Tholeyer Gegend zur mittleren Nahe und erreicht bei Boppard den Rhein. Heute ist es durch die Mobilität der Bevölkerung dazu gekommen, dass die Trennungslinie nicht mehr so scharf gezogen werden kann. Man spricht im Bereich der Sprachgrenze eher von einem sprachlichen Vibrationsraum, einem Gebiet also, wo sich Wörter und Ausdrucksweise angleichen, überlappen, verbinden, verbünden. Es sind also mindestens zwei Sprachlandschaften, eventuell sogar drei, die das Saarland prägen.

Die Sprachgrenze hat aber nicht nur trennende, sondern auch verbindende Elemente. So wird das Moselfränkische des Saarlouiser Raumes auch im grenznahen Lothringen noch gesprochen, das Westpfälzische reicht in den Raum des östlichen Saarlandes hinein. Man wird wohl nicht umhinkommen, der Gegend um Saarbrücken eine eigene Sprachqualität in der Bezeichnung "Saarbrigger Platt" zuzubilligen, also eine Ausformung des Rheinfränkischen, das in seiner Sprachverwandtschaft weit ins Reich hineinreicht. Die Sprachgrenze der das/dat-Linie ist über Jahrhunderte entstanden. Sie könnte erheblich beeinflusst worden sein durch politische, kirchliche und gesellschaftliche Bedingungen, in jedem Fall ist sie viel älter und konsistenter als manche politische Grenze unserer Region.

Einige Worte "Saarländisch"

Arwet - Arbeit, klangliche Parallele zu ARBED ist rein zufällig. "Das do is e schweri Arwet."

Ballawer - aus dem Portugiesischen. "Palavra" ist in der Sprache der ehemaligen Kolonialmacht die Versammlung eines Stammesrates. Im Saarland ist es eine durch Menschen hervorgerufene Situation, die durch große Lärmbildung gekennzeichnet ist. "Mache kenn so Ballawer."

bibb - müde, abgeschlafft. "Noh`m Jogging bin ich immer so bibb."

dabber - schnell, abgeleitet von "tapfer". "Mach dabber!"

dummele - sich beeilen, reflexiv. Dummel Dich, sonschd kome mir zu spät of de Sportplatz."

ebbes - etwas, "Warum dann aach net, es is emol ebbes anneres."

Fisematente - Schwierigkeiten, abgeleitet von dem französischen Satz "visitez ma tente!" (=Besuchen Sie mein Zelt!). Dies haben die napoleonischen Soldaten den deutschen Mädchen öfter nachgerufen, und wenn ein "Frollein" diesem Ansinnen nachkam, dann hieß es "Ähs macht Fisematente."

Flemm - depressiver Zustand, abgeleitet von der französischen Redewendung "avoir la flême" (=faulenzen). "Ich hann die Flemm, ich gehn jetzt hemm."

Freck - allgemeine Bezeichnung für Erkältungskrankheiten aller Art, wahrscheinlich abgeleitet von "verrecken". "O leck, hann ich die Freck."


Kartoffeln

Grommbeer - Kartoffel, abgeleitet von "Grundbeere" bzw. "-birne" oder von "Krummbeere" bzw. "-birne". "Frieher hotte ma im Keller meh Grommbeere wie Kohle."


Grub - Bergwerk, mundartliche Aussprache von "Grube". "De Hennes schafft of de Grub."

Hewwel - Hebel, aber auch "ungehobelter Mensch". "Ich wääß jo aach net, was der Hewwel do am Modor so bedeite hat."

Huddel - Schwierigkeiten, verwandt mit "hudeln", "Seit de Gebietsreform hann mir nix wie Huddel".

kloor - witzig/interessant, wahrscheinlich abgeleitet von "klar". "De Charly hat e kloori Freindin."


Lyoner, saarländisch gudd gess!
Lyoner - saarländische Fleischwurst, abgeleitet von der Stadt Lyon, wo man zum erstenmal die graue Fleischwurst mit Safran gelb färbte.

Sießschmier - Marmelade, abgeleitet von "süße Schmiere". "Unser Oma hat die Sießschmier noch selwert gemach."

Schaales - großer, gerührter Kartoffelpuffer, saarländisches Nationalgericht, wahrscheinlich von "Schale" (=Kruste) abgeleitet. "Am Samschdaach gebbds emol wedder Schaales."

Schwenkbroode - Schwenkbraten, saarländische Spezialität.

Urwes - Rest, "De Teller gebbd leer gess! Do werre kenn Urwese gemacht."

Zores - Schwierigkeiten, aus dem Rotwelschen. "Mach kenn so Zores unn loss Dirs gesahd sinn: Es schaad iwwerhaupt nix, wenn ma saarländisch schwätze kann."