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Justiz
 

Die Beeinträchtigung des Kindeswohls durch Häusliche Gewalt, November 2005

Zur Thematik fanden am 24. November 2005 zeitversetzt zwei Fachveranstaltungen mit Dr. Kindler, Mitarbeiter des Deutschen Jugendinstituts München und psychologischer Sachverständiger, statt. Die erste wandte sich am Vormittag an Mitarbeiter/innen von Jugendämtern und Beratungsstellen, die zweite am Nachmittag an Familienrichter/innen und Fachanwälte/innen für Familienrecht.

Dr. Kindler beleuchtete in seinen Vorträgen zunächst die unmittelbaren Beeinträchtigungen kindlicher Entwicklung durch das Miterleben elterlicher Partnerschaftsgewalt. So führte er aus, dass die Kinder in der aktuellen Gewaltsituation ausgeprägte Gefühle von Angst, Mitleid, Erstarrung und Hilflosigkeit bis hin zur Traumatisierung erlebten und langfristig ein fünffach erhöhtes Risiko behandlungsbedürftiger Auffälligkeiten wie Aggressivität, Unruhe, Niedergeschlagenheit oder Ängstlichkeit aufwiesen. Unterhalb dieser Schwelle klinisch bedeutsamer Verhaltensauffälligkeiten zeigten sich signifikante Beeinträchtigungen in der kognitiven, sozialen und emotionalen Entwicklung, die im Einzelnen erläutert wurden.

Auch die indirekten Folgen der Gewalt wurden, unter anderem in Form der damit einhergehenden Beeinträchtigung der Erziehungsfähigkeit des Gewalt ausübenden Elternteils erörtert. In einem weiteren Schwerpunkt wurden die Auswirkungen von Trennungs- und Scheidungsprozessen auf die von elterlicher Partnergewalt betroffenen Kinder und die Konsequenzen im Kontext von Sorge- und Umgangsregelungen praxisorientiert beleuchtet.

Diese Erkenntnisse erhalten auch vor dem Hintergrund Bedeutung, dass in ca. 75 % der Fälle, in denen Anträge nach dem Gewaltschutzgesetz gestellt werden, Kinder in den betreffenden Haushalten leben, wie eine rechtstatsächliche Untersuchung zum Gewaltschutzgesetz hat ergeben. Dabei werden die schädigenden Auswirkungen der elterlichen Partnerschaftsgewalt auf die Kinder sowohl von den Eltern selbst als auch von den übrigen Prozessbeteiligten nicht selten unterschätzt.