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Kooperationsvereinbarung über die Zusammenarbeit von Schule, Berufsberatung und Wirtschaft im Bereich der Berufswahlvorbereitung und Studienorientierung im Saarland

Ziel der gemeinsamen Bemühungen soll sein, jungen Leuten tiefere Einblicke in die Vielfalt der Ausbildungsmöglichkeiten zu vermitteln und sie mithilfe systematischer Konzepte in die Lage zu versetzen, den Übergang in die betriebliche Ausbildung, ins Studium oder in den Beruf eigenverantwortlich zu gestalten. Eine entsprechende „Kooperationsvereinbarung über die Zusammenarbeit im Bereich der Berufswahlvorbereitung und Studienorientierung“ unterzeichneten heute Bildungsminister Klaus Kessler, Staatssekretär Joachim Kiefaber vom Ministerium für Wirtschaft und Wissenschaft, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Heidrun Schulz, der Präsident der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes, Dr. Richard Weber, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer des Saarlandes, Georg Brenner, und der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der saarländischen Unternehmensverbände, Joachim Malter.

Mit der Kooperationsvereinbarung schreiben die Partner verbindliche Regelungen für ihre Zusammenarbeit in Fragen der Berufs- und Studienberatung für die nächsten fünf Jahre fest. Sie unterstützen die Schulen dabei, Jugendliche zu befähigen, sich über ihre Berufswünsche und -ziele, ihre Stärken und Schwächen klar zu werden, Alternativen zu prüfen und Entscheidungen mit Blick auf ihr späteres Berufsleben treffen zu können. Alle allgemeinbildenden weiterführenden Schulen sollen ein Konzept mit konkreten verbindlichen Maßnahmen für die Ausbildungs- und Studienorientierung erstellen und umsetzen.

Wegen der neuen Herausforderungen – der demografischen Veränderungen, der Internationalisierung der Wirtschaft und der Fortschritte im Bereich der neuen Technologien – werden die Jugendlichen auf Unterstützung, Begleitung und Förderung in der für sie wichtigen Lebensphase, in der Weichen für ihre Zukunft gestellt werden, in besonderer Weise angewiesen sein. Mit einer derart vernetzten Berufsorientierung soll ihr Übergang von der Schule in die Ausbildung quasi „aus einer Hand“ begleitet werden.

„Unser Hauptanliegen ist es, Berufswahlvorbereitung und Studienorientierung nachhaltig und dauerhaft im Schulangebot verankern. Wir müssen den Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen Berufs- oder Studienwahl zu verhelfen. Darüber hinaus wollen wir die Eltern als Erziehungsverantwortliche und wichtige Berater noch stärker einbeziehen und die Angebote der Partner in den schulischen Konzepten integrieren“, kündigte Bildungsminister Klaus Kessler an.

Laut Kessler ist es das Ziel, die mit der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland begonnenen Projekte zur vertieften Berufsorientierung wie „Zukunft konkret“ und „Du schaffst das“ über 2010 hinaus fortzuführen. Im Zusammenwirken mit der Wirtschaft  sollen die Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrer im Bereich der Berufs- und Studienorientierung weiter ausgebaut und die Möglichkeiten für Schüler authentische Informationen aus der beruflichen Praxis zu sammeln – beispielsweise durch Betriebspraktika, Berufserkundungen, Berufsinformationstage – verbessert werden.

„Wir möchten die traditionell geschlechtsgebundene Rollen- und Berufsvorstellungen aufbrechen. So muss das Berufswahlspektrum von Mädchen in Bezug auf mathematisch-naturwissenschaftliche Berufe erweitert werden. Und die Jungen müssen stärker auf die beruflichen Entwicklungschancen im sozialen Bereich aufmerksam werden“, so Kessler.

Staatssekretär Joachim Kiefaber vom Ministerium für Wirtschaft und Wissenschaft hob die wichtige Rolle der bereits bestehenden Angebote der Hochschulen hervor, wie beispielsweise Schnuppertage und Schüler-Uni. Zudem betonte er, dass das Leitbild „Ausbildung ohne Umwege“ den neuen Kooperationsvertrag stark prägt: „Ausbildungsfähige Jugendlichen müssen die Möglichkeit haben, von der Schulbank direkt an die Werkbank zu wechseln, und zwar ohne zeitraubende Umwege. So bieten wir jungen Menschen Zukunftsperspektiven und beugen dem drohenden Fachkräftemangel vor. Förderungsbedürftige Jugendliche bekommen besondere Unterstützung, damit auch sie eine duale Ausbildung beginnen können.“

Die Agenturen für Arbeit, die traditionell im Rahmen der Berufs- und Studienorientierung eng mit den allgemeinbildenden Schulen zusammenarbeiten, werden die Maßnahmen zur vertieften und erweiterten Berufsorientierung fortführen und im Rahmen der Berufseinstiegsbegleitung benachteiligte Jugendliche weiter individuell beim Übergang von Schule in Ausbildung unterstützen – auch über das Jahr 2010 hinaus.

„Wegen der sich verändernden Arbeitsanforderungen und der zunehmenden Bedeutung von Dienstleistungs- und wissensintensiven Berufen ist es für Jugendliche zunehmend schwieriger geworden, Einblicke in die Welt der Berufe zu gewinnen. Konnten sie sich die Arbeit einer Friseurin oder eines Kraftfahrzeugmechatronikers noch recht gut vorstellen, so  können Jugendliche die Aufgaben einer Fachangestellten für Markt- und Sozialforschung  oder eines Mikrotechnologen nicht so ohne weiteres praktisch erleben. Die Bedeutung der Berufsorientierung ist folglich gewachsen und wird auch in Zukunft zunehmen“, sagte die Leiterin der Regionaldirektion Heidrun Schulz.

Die saarländische Wirtschaft kann den Schulen des Landes ein breites Spektrum an Möglichkeiten zur Berufsinformation anbieten, sie wird Patenschaften zwischen Schulen und Unternehmen vermitteln, Angebote zur Lehrerfortbildung entwickeln und Schülern vielfältige Möglichkeiten zur Erkundung von Berufen bieten.

Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarland, Dr. Richard Weber, bekannte sich zur Verantwortung der Unternehmen für den Übergangsprozess: „Wir wollen durch unser Engagement mit dazu beitragen, dass Schulabgänger besser auf den Start ins Berufsleben vorbereitet werden und dadurch auch die Zahl der Ausbildungsabbrüche sinkt. Nur dann kann die Wirtschaft ihren Aufgaben der Ausbildung, Qualifizierung und Weiterbildung trotz weniger Bewerber gerecht werden. Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen wird in Zukunft noch mehr als heute in Verbindung mit der Qualifikation und der Innovationsfähigkeit ihrer Mitarbeiterschaft stehen“, so Dr. Weber.

Für Georg Brenner, den Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer des Saarlandes, wird die duale Berufsausbildung trotz aller Veränderungsprozesse im Bildungssystem weiter der wichtigste Weg in den Beruf bleiben. „Für gut 60 Prozent der Jugendlichen führt der Weg in die Arbeitswelt über eine betriebliche Ausbildung. Sie sollten daher zu Beginn auch wissen, welche breite Palette an Einstiegsmöglichkeiten die Wirtschaft im Allgemeinen und das Handwerk im Besonderen bietet. Die Wahlmöglichkeiten sind vielfältiger als die meisten wohl ahnen“, sagte Brenner.

Die Vereinigung der saarländischen Unternehmensverbände trägt die Bemühungen mit, den Schulabsolventen gemeinsam eine fundierte Berufsorientierung zu garantieren. „Nur wer weiß, worauf er sich einlässt“, so Malter, „kann bei der Berufswahl eine fundierte Entscheidung treffen. Es gilt Fehlentscheidungen zu vermeiden, denn sie führen zu Zeitverlusten für Jugendliche und Unternehmen und verursachen zusätzliche Kosten. Daher rechnet sich das heute verabredete Programm.“

Ein Gremium, dem alle Vertragspartner angehören, wird die Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen im Rahmen der Berufswahl- und Studienorientierung begleiten, Fortschritte bei der Realisierung überwachen, Anpassungen und Ergänzungen vorschlagen und erfolgreiche Beispiele unter den Partnern verbreiten.

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