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Politik & Verwaltung
 

Möglichkeiten und Grenzen einer zweisprachigen Erziehung und Bildung - Französisch in Kindergarten, Grundschule und Freiwilliger Ganztagsschule“

Bereicherung durch mehrere Sprachen erleben

07.07.2009 - Gut einhundert Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer sowie weitere an der Thematik interessierte Personen kamen, um sich in den Festsälen des Bildungsministeriums über eine zweisprachige Erziehung und Bildung in Kindergarten und Grundschule zu informieren und angeregt zu diskutieren.
Staatssekretärin Dr. Susanne Reichrath leitete die Veranstaltung ein und stand den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für Fragen und Diskussionen zur Verfügung. Die renommierte Sprachwissenschaftlerin und Autorin Elke Montanari („Wie Kinder mehrsprachig aufwachsen“, „Mit zwei Sprachen groß werden - was Eltern tun können“) aus Frankfurt zeigte in ihrem Beitrag die Möglichkeiten und Grenzen einer mehrsprachigen Erziehung. Sie unterstrich nicht nur die Chancen die Kinder haben wenn sie ihr natürliches Potential, mit zwei und mehr Sprachen heranzuwachsen und diese natürlich zu erwerben, ausleben dürfen - mit vielen Beispielen aus der Praxis in Kindergarten, Schule und Elternhaus zeigte sie, wie man Grenzen im Spracherwerb, die durch Druck oder ungünstige Begleitumstände entstehen können, versetzen kann: durch kindgerechte und interessante Sprachanregungen, durch Wertschätzung der Leistungen der Kinder, durch die gemeinsame Suche nach erfolgreichen Sprachanlässen.

Dass das Saarland mit seinen Angeboten in Kindergarten und Grundschule zur Vermittlung der französischen Sprache auf dem besten Weg ist, belegten Prof. Dr. Angelika Kubanek aus Braunschweig und Dr. Peter Edelenbos aus Brüssel. Die beiden Wissenschaftler haben im Sommer 2008 eine Untersuchung in den Saarländischen Kindergärten mit einem französischen Angebot durchgeführt und überprüft, wie sich die zweisprachige Erziehung auf die Kinder auswirkt und wie ihre Sprachentwicklung in der Zweitsprache ist.

Die französische Sprache hat im Saarland immer eine große Rolle in der Bildungslandschaft gespielt. Mittlerweile arbeiten rund 140 saarländische Kindergärten nach dem vom Ministerium für Bildung, Familie, Frauen und Kultur entwickelten Konzept: durch täglich Angebote in der französischen Sprache in allen Spiel- und Lebenssituationen des Kindergartens tauchen die Kinder in die Sprache ein und lernen langsam, sie zu verstehen, sie selbst anzuwenden. Nebenbei lernen sie auch viel über unser Nachbarland: wie die Kinder dort leben, wie deren Kindergartenalltag aussieht, welche Spiele man spielt, welche Lieder man singt, wie man in Frankreich feiert und isst.

Seit 2001 wurde das Angebot in Form eines muttersprachlichen Unterrichts auch auf die an diese Kindergärten angeschlossenen Grundschulen ausgeweitet, mittlerweile 39 an der Zahl. Ab Klasse 1 haben alle Kinder dieser Schulen mindestens 2 Wochenstunden in französischer Sprache mit einer französischen Muttersprachlerin oder einem französischen Muttersprachler. Vor 2 Jahren wurde die erste bilinguale Grundschule in Völklingen-Lauterbach eingerichtet, in der etwa die Hälfte des Unterrichts in französischer Sprache von einem französischen Lehrer gehalten wird. 2 weitere Schulen werden im August dieses Jahres in Perl und Gersheim folgen. Edelenbos und Kubanek stellten heraus, dass das Konzept nicht nur pädagogisch hervorragend ist, sondern auch in seiner Umsetzung und Flächendeckung. Während in Deutschland weniger als 2 % der Kindergartenkinder bereits eine zweite Sprache erwerben, sind es im Saarland bereits über 30 %.

Ab dem kommenden Schuljahr wird das Angebot zusätzlich auf 6 Freiwillige Ganztagsgrundschulen im Saarland ausgeweitet werden. Für die Förderung stellt die EU den Programmpartner Saarland und Lothringen für die nächsten 4 Jahr rund 2,9 Millionen Euro zur Verfügung. Das Saarland investiert seit 11 Jahren in den Kindergärten jährlich zusätzliche 300.000,00 € zur Förderung der Nachbarsprache Französisch.

Ministerium für Bildung, Familie, Frauen und Kultur