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20 Jahre MauerfallAufarbeitung der DDR-Vergangenheit
Zehntausende von Bürgern verließen im Sommer 1989 über die österreichisch-ungarische Grenze und die bundesrepublikanischen Botschaften die DDR. Im September des Jahres erreichte die „Abstimmung mit den Füßen“ ihren Höhepunkt. Die Bürgerrechtsgruppen, die sich in den vorhergehenden Jahren zunehmend gebildet hatten, formierten sich zu demokratischen Vereinigungen wie das Neue Forum (NF) oder der Demokratische Aufbruch (DA) und forderten freie Wahlen sowie den Dialog mit der Staatsmacht. Unter dem Eindruck der Massenfluchtbewegung folgten in Leipzig im September des Jahres 1989 die ersten Protestzüge mit der Forderung nach allgemeiner Reisefreiheit. Die Protestbewegung hatte sich erstmals am 4. September 1989 anschließend an das Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche zusammengefunden, das seit Beginn der 80er Jahre stattfand.
Die Montagsdemonstrationen weiteten sich trotz der Gefahr eines brutalen Durchgreifens durch die Staatsmacht aus. Überall formierten sich politische Gruppen, die für eine demokratische Umgestaltung der DDR eintraten. Ihren Höhepunkt erreichten die Montagsdemonstrationen in Leipzig am 23. Oktober 1989: 320.000 Menschen demonstrierten friedlich unter der Losung „Wir sind das Volk“. Die DDR-Führung war bemüht, den Druck zu brechen und die Massenausreisebewegung zu stoppen. Beabsichtigt war eine Lockerung der Ausreisebestimmungen. Auf einer internationalen Pressekonferenz am 9. November 1989, die live im Fernsehen übertragen wurde, erklärte SED-Politbüromitglied Günter Schabowski, dass für Privatreisen „sofort, unverzüglich“ vereinfachte Genehmigungsverfahren gälten. In der Nacht gaben die Grenzposten dem Druck der Bevölkerung nach. Die Grenzübergänge in Berlin und in der Bundesrepublik wurden geöffnet. Die Entwicklung war nicht mehr aufzuhalten. Die Ausreisewelle, die Demonstrationen und der Fall der Mauer führten zum Ende der SED-Herrschaft. Infolge der Entwicklung wurden Runde Tische etabliert, die den oppositionellen Gruppen die Möglichkeit gaben, die erzielten Erfolge zu sichern. Nach den ersten freien Volkskammerwahlen vom 18. März 1990 und der Bildung einer demokratischen Regierung beschloss die DDR-Volkskammer am 23. August 1990 mit 294 zu 62 Stimmen zum 3. Oktober 1990 der Bundesrepublik beizutreten (gemäß Artikel 23 Grundgesetz). Damit war die staatliche Einheit Deutschlands wiederhergestellt. Friedliche Proteste hatten zum Sturz des politischen Systems der SED wie auch im gesamten Ostblock geführt. Im kollektiven Gedächtnis prägt das Bild vom Mauerfall bis heute die Erinnerung an die Ereignisse von 1989. Die Leipziger Nikolaikirche sowie die Friedensgebete und Montagsdemonstrationen wurden zu Chiffren der von einer Bürgerbewegung getragenen Friedlichen Revolution. |
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