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Denkmal
 

Keltisches Kriegergrab der Mittellatènezeit aus Reinheim

19.02.2009
Kriegergrab im Zentrum der rechteckigen Grabenanlage
Kriegergrab im Zentrum der rechteckigen Grabenanlage
Mit Sondermitteln des saarländischen Ministeriums für Umwelt wurden Ende 2008 Ausgrabungen in Reinheim fortgesetzt. Die Untersuchungen erstreckten sich auf das 2006/07 entdeckte vor- und frühgeschichtliche Friedhofsareal „Furtweg“ (AiD 5/2007, 47-48), nördlich am Fuße des sagenumwobenen Bergsporns „Homerich“. Neben zwei einfachen Brandgräbern der frühen Urnenfelderzeit (um 1200 v. Chr.) ließen sich trotz Einebnung durch neuzeitlichen Ackerbau zwei weitere Grabhügel nachweisen.
Im Zentrum des Hügels 6, von dem sich als ehemalige Begrenzung ein Kreisgraben (Dm. 11 m) mit davor liegenden Pfostengruben erhalten hatte, fanden sich zwei Frauengräber (FST 217; FST 200) der Hallstattzeit (6. Jh. v. Chr.). Während der Frühlatènezeit (um 400 v. Chr.) hatte man im nördlichen Randbereich des Hügels ein
weiteres Grab (FST 201) eingebracht. Das Skelett der mit dem Kopf im Norden bestatteten Frau war vollkommen vergangen. Sie trug jeweils zwei Hals-, Arm- und Fußringe.
Ca. 18 m westlich des Hügels 6 und 6 m nördlich des Hügels 2 mit den frühlatènezeitlichen Frauengräbern FST 113 und FST 246 fand sich ein NNO SSW orientierter, quadratischer Graben (FST 267). Als Begrenzung des durch Ackerbau eingeebneten Grabhügels 7 umschloß er eine Innenfläche von 6,80x6,80 m. Der bis zu 0,42 m tiefe Graben (Br. 0,95-1,38 m) war an seiner nord- und südöstlichen Seite mit Kalklesesteinen verfüllt.
Ca. 1,50 m nordwestlich des Zentrums von Hügel 7 fand sich 0,30 m unter der Ackerfläche das Brandgrab eines keltischen Kriegers (FST 262) aus der Mittellatènezeit (280-150 v. Chr.).
Der Leichenbrand war in der Mitte einer ovalen (0,72x0,53 m), ca. 0,30 m tiefen Grabgrube deponiert, die auf dem Scheiterhaufen mit verbrannten Beigaben am Grubenrand. An seiner westlichen Seite lag die 0,36 m lange, verbogene Lanze, mit der Tülle in Richtung Norden. Im Uhrzeigersinn folgten der ebenfalls rituell unbrauchbar gemachte, 0,33 m lange Schildbuckel mit leicht ausladenden Flügeln (Br. 14,0-15,5 cm) und an der östlichen Seite das 0,87 m lange, samt Scheide zusammengefaltete Griffangelschwert. Unter der Lanze war an die eiserne Fibel vom Mittellatèneschema ein Ringgürtel des Schwertgurtes ankorrodiert.
Die Waffenkombination mit Schwert, Stoßlanze und Schild gehörte seit den großen Wanderungen und Kriegszügen 4. Jh. v. Chr. zur Standartausrüstung des
keltischen Kriegers über einen Zeitraum von 300 Jahre. Mit ihr hat er zu Pferd oder zu Fuß im Krieg gekämpft, sie nahm er auch mit ins Grab.
Kriegergrab: 1 Eisenschwert  2 Schildbuckel  3 Lanze  4 Leichenbrand
Im Stammesgebiet der Mediomatriker mit der Hauptstadt Divodurum (Metz) gehörte der keltische Krieger von Reinheim offensichtlich zur Führungsschicht. Sowohl hinsichtlich des quadratischen Umfassungsgrabens als auch der vollständigen Waffenausstattung lässt sich hier bislang für die Mittellatènezeit nur das Grab 112 aus dem Hügel 89 von Mondelange bei Thionville vergleichen. In beiden Gräbern stellen die Beigaben lediglich, als „pars pro toto“, eine bewusste Auswahl einer ehemals größeren, sicherlich reichen Grabausstattung dar.

Dabei sollte wohl das Zurückbehalten von Beigaben eine Verbindung der Lebenden zum Toten aufrechterhalten. Durch die rituelle Unbrauchbarmachung der Waffen, die in der antiken Opferidee, etwa bei den keltischen Heiligtümern zu wurzeln scheint, glaubte man, den Kriegsgott beeinflussen zu können.
Mit ihr wollte sich der keltische Mann den als Ideal verherrlichten Status eines Kriegers auch im Jenseits bewahren.


Ministerium für Umwelt