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Arbeiterbewegung an der Saar

Einer für alle, alle für Einen

Erst nach dem Krieg 1870/71 gab es im Saarrevier Anfänge einer Arbeiterbewegung. Behörden und Unternehmer reagierten sofort: Sie gründeten ein "Komitee der Arbeitgeber zur Bekämpfung der Sozialdemokratie". Am 6. Juli 1877 beschloß dieses Komitee das sogen. "Sozialistengesetz der Saarindustrie". Es richtete sich auch gegen alle gewerkschaftlichen Regungen.
Mai 1889: Streik der Bergarbeiter
Mai 1889: Streik der Bergarbeiter
Mai 1889: Streik der Bergarbeiter (erster Massenstreik in der Saarindustrie) Der Hasborner Bergmann Nikolaus Warken, genannt Eckstein, führt die Streikenden an.

Ende Juli 1889: Unter Führung Warkens und unter dem Einfluß des Zentrums schließen sich Bergleute zum "Rechtsschutzverein für die bergmännische Bevölkerung des Oberbergamtsbezirks Bonn" zusammen. Bald wandelt sich der Verein zu einer Gewerkschaft. Über zwei Drittel aller Bergleute werden Mitglied.

  • Warken kandidiert 1890 für den Reichstag,
  • Bergleute bauen in Bildstock den Rechtsschutzsaal,
  • eine eigene Zeitschrift - "Schlägel und Eisen" - erscheint.

In der Folgezeit wird der Verein geschwächt. Die Ursachen:

  • Angriffe wegen angeblicher bzw. tatsächlicher Annäherung an die SPD,
  • Unerfahrenheit der Führung, die katholische Geistlichkeit wendet sich ab.

Die Streiks im Mai 1891 und an der Jahreswende 1892/93 schlagen fehl. Die Bewegung bricht zusammen.

Erst nach Stumms Tod (1901) kommt es wieder zu gewerkschaftlichen Zusammenschlüssen. Die seit der Jahrhundertmitte bestehenden katholischen Arbeitervereine ("Berliner Richtung") betätigen sich gewerkschaftlich. Konkurrenten werden die interkonfessionellen christlichen Gewerkschaften, etwa der "Gewerkverein christlicher Bergleute", und die SPD-nahen "Freien Gewerkschaften". Diese jedoch bleiben bis zum Ersten Weltkrieg ohne großen Einfluß.

Die Parteienlandschaft bis zum ersten Weltkrieg

Reichtagswahlen: So wählte man an der Saar

Die Pariser Julirevolution 1830 aktivierte auch an der Saar das politische Leben. Doch erst in der Revolution von 1848 nahmen alle Schichten der Bevölkerung an ihm teil. In Saarbrücken, Merzig und St. Wendel entstanden demokratische Bürgervereine.

Beherrschende politische Kraft bis zum Ersten Weltkrieg waren im engeren Industrierevier - dem Wahlkreis Saarbrücken - die Liberalen, zunächst als Fortschrittspartei, ab 1867 als Nationalliberale. Im weiteren Bereich mit seinen überwiegend ländlich-katholischen Gebieten hatte jedoch das Zentrum ein starkes Übergewicht. Es beherrschte den Wahlkreis Saarburg-Merzig-Saarlouis unangefochten. Im Wahlkreis Ottweiler - St. Wendel-Meisenheim stand es in Konkurrenz zu den Freikonservativen unter Führung Stumms.1903 stellte das Zentrum hier erstmals den Reichstagsabgeordneten.

Im pfälzischen Bezirksamt Homburg führten die Nationalliberalen vor dem Zentrum. Zur starken politischen Kraft wuchs hier der Bund der Landwirte heran.

Die Sozialdemokraten blieben bis zum Ersten Weltkrieg fast ohne Einfluss. Dies stand in krassem Gegensatz zur Entwicklung im Reich insgesamt.

Die Gründe:

  • politisch-soziale und konfessionelle Struktur der Region,
  • massiver Druck durch Behörden und Unternehmer.