Primarschulbereich
Auf der Grundlage der geografischen Lage Lothringes ebenso wie seines sprachlichen und kulturellen Erbes entwickelte die Académie Nancy-Metz eine gestaltende Sprachenpolitik, die dem Deutschen den Vorzug gibt. Deutsch als Schulfach wird in den Primarschulen der Moselle seit 1976 gelehrt, um das sprachliche und kulturelle Erbe der Region zu nutzen. Seit 1990 hat sich an einzelnen Schulen ein besonderes Programm zur Förderung des Deutschen entwickelt: Die „voie spécifique mosellane“, die zwei verschiedene Lehrgänge bietet: einerseits drei Wochenstunden Deutschunterrricht ab der Maternelle, auf der anderen Seite sechs bis neun Stunden zweisprachigen Unterricht (Deutsch und deutschsprachigen Sachfachunterricht) ebenfalls ab der Maternelle. An diesen Angeboten nehmen mehr als 5000 Schüler in circa 70 Schulen teil.
Drei Hauptgedanken prägen das Konzept:
Zusammenarbeit mit Partnern nahe der Grenze
Unterricht der Partnersprache durch muttersprachliche Lehrkräfte (binationale Kollegien); der französische Lehrplan wird in der Partnersprache durch den Klassenlehrer gelehrt
Zweisprachiger Sachfachunterricht
Seit Beginn dieses Schuljahrs werden 169 Schülerinnen und Schüler in Saargemünd je zur Hälfte in jeder der beiden Sprachen unterrichtet: je 13 Stunden werden auf deutsch und auf französisch unterrichtet. In den neuen nationalen Programmen erhalten die Sprachen den Status eines Pflichtfaches der Primarschule. Alle Schülerinnen und Schüler des cycle 3 (dritte, vierte und fünfte Klasse) erlernen eine Sprache. Das Verhältnis zwischen Deutsch und Englisch ist ausgewogener als auf der nationalen Ebene: während in Lothringen in der Grundschule 30% der Schüler Deutsch und 70% Englisch lernen, sind es im Durchschnitt in Frankreich 15,4% (Deutsch) und 80,6% (Englisch). Im Moseldepartement entscheiden sich noch 70% der Grundschüler für Deutsch!
In den Sekundarstufen
Der Anteil der Schüler in Lothringen, die Deutsch als erste Fremdsprache in der sechsten Klasse wählen, liegt mit 26% relativ hoch. Der französische Durchschnitt liegt bei 9,3%. Um diese Diversifizierung beizubehalten, bietet die Académie den Schülern 99 von insgesamt 240 collèges die Möglichkeit, in der sechsten Klasse zwei lebende Sprachen zu lernen. Die diesbezüglichen collèges liegen vor allem im Vogesen- und im Mosel-Département.
Ein Netz von sections européennes (bilingualen Zweigen) in den vier Départements:
Mit 134 beteiligten Einrichtungen (2002/03) liegt die Académie auf dem sechsten Platz in Frankreich. In 64% der Fälle ist Deutsch die geförderte Sprache. Ziel dieser Zweige ist es, durch einen im collège um zwei Wochenstunden verstärkten Deutschunterricht bilingualen Sachfachunterricht in deutscher Sprache im lycée zu ermöglichen. Dort ist Deutsch Arbeitssprache.
Drei ABIBAC-Zweige:
ABIBAC-Zweige wurden zum Schuljahr 1998/99 am Lycée Poncelet in Saint-Avold und zum Schuljahr 2000/01 im Lycée Fabert in Metz und Jean de Pange in Sarreguemines eröffnet. Diese Zweige sollen Schüler der gesamten Académie aufnehmen. Sie ermöglichen motivierten Schülern mit guten Leistungen im Fach Deutsch, gleichzeitig das Baccalauréat und das deutsche Abitur zu erwerben. An diesem bilateralen Programm nehmen zu Zeit nur je 25 Schulen in Deutschland und Frankreich teil.
Ein regionaler Abschluss: BAC-Plus/ABI-Plus, Erprobung in Forbach, Saareguemines und Metz:
Auf der Grundlage der Vereinbarung vom 5. Mai 2001 beschlossen der damalige Recteur der Académie Nancy-Metz und der saarländische Kultusminister in freiwillig sich beteiligenden technologischen lycées bilinguale Bildungsgänge für Schüler der Séries Industrietechniken und Techniken des tertiären Sektors ebenso einzurichten wie für Schüler der wissenschaftlichen Série, die sich für Ingenieurwissenschaften entschieden haben. Diese Zweige sind dadurch gekennzeichnet, dass in ihnen in den letzten beiden Jahren vor dem Abschluss je ein allgemein bildendes und ein technologisches Fach in deutscher Sprache unterrichtet werden.
Wie beim ABIBAC erhalten die Schüler auch hier eine doppelte Hochschulzugangsberechtigung, das BAC-Plus/ABI-Plus , das von einer französisch-saarländischen Prüfungskommission erteilt wird. Dieses Zeugnis befreit saarländische Schüler in Frankreich und französische Schüler im Saarland von Zugangsprüfungen in Hochschuleinrichtungen der jeweiligen Partnerregion.
Eine regionale Zusatzqualifikation im beruflichen lycée:
Seit 1987 können die Schüler von vier lycées im Osten des Mosel-Départements (Creutzwald, Freyming-Merlebach, lycée Lazare in Sarreguemines und Bitche) folgende Zusatzqualifikation erwerben: Kenntnis des Deutschen in der beruflichen Bildung (z.B. Berufe im Gastronomie- und Dienstleistungssektor). Diese regionale Zusatzqualifikation zertifiziert die Fähigkeit der teilnehmenden Schüler, am Arbeitsplatz und im Unternehmen in Deutsch zu kommunizieren und Texte im beruflichen Kontext zu verstehen.