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Der als "Hunnenring" bezeichnete Keltenwall bei Otzenhausen

In dem vorzüglichen Bildband „Das Saarland“ mit Bildern von Werner Richner schreibt Guido König über die Kelten und den „Saarländer“, der dem großen Julius Cäsar die Stirn bietet, folgendes.
Unsere keltischen Vorfahren, politisch, wirtschaftlich und kulturell bedeutsam, errichteten Zentren ihrer Hausmacht und Lebensart: Im Süden des Dreistromlands von Saar, Mosel und Blies die Mediomatriker, im Norden die Treverer – Talburgen in den Ebenen die einen, Ringfesten auf den Höhen die anderen. (...) Unter allen Steinwällen des Saarlands (und weit darüber hinaus!) ragt einer in monumentaler Einzigartigkeit hervor: Der Hunnenring von Otzenhausen, nahe der nordsaarländisch-pfälzischen Grenze.
Der erste „Saarländer“ tritt in die Geschichtshelle geschriebenen Zeugnisses: Indutiomarus, Herrscher aus einem treverischen Adelsgeschlecht mit Stammsitz auf dem größten Ringwall Europas, befestigte Burgstadt eines mächtigen Volkes. Der gigantische Ringwall: eine bis zu zehn Meter hohe, im Fundament dreißig Meter breite und insgesamt 2210 Meter lange Verteidigungsanlage. Sie aufzutürmen, bedarf es in maschinenlosen Zeiten eines riesigen Aufgebots von Menschen. Ihr Ausbau in kriegerischer Epoche (die Heere Roms erobern die Welt!) zu einer uneinnehmbaren Festung verlangt eine militärische Intelligenz, die ihresgleichen sucht. Indutiomarus baut sie im ersten Jahrhundert vor Christi Geburt zur Fliehburg aus.


Römer gegen Kelten
Der Stammesfürst und Heerführer der Saarkelten bekannt und bezeugt durch einen hervorragenden Chronisten und Widersacher. Kriegsberichterstattung aus erster Hand, und im Klartext mit deutlicher Handschrift: De Bello Gallico oder Über den Gallischen Krieg. Der Name des Autors Julius Cäsar. Ein römischer Imperator erkennt seinen gefährlichsten Gegner in Westeuropa. Indutiomarus, der Führer des keltischen Dreimännerbunds, mit Widerstandsnestern im Ardenner Wald, auf dem Saargau und am Hunsrück, zieht dem Aggressor aus Rom und seinen Heeren entgegen.
Es steht auf des Messers Schneide.
Der gallische Aufstand endet in Blut und Tränen. Von stammesverwandten Kopfjägern des römischen Lagerkommandanten Labienes verfolgt, gestellt, erschlagen bei Marche-en-Famenne – ein Trevererfürst unrühmlich zu Tode gekommen im Jahre 54 vor der Zeitenwende. Cäsar siegt über Indutiomarus, die Römer überwinden die Kelten. Ein Widerstand bricht zusammen.
Die Geschichte des Saarlandes steht von Anfang an im Zeichen des Widerstands. Widerstand aus erlittenem Unrecht, aus Empörung gegen Gewalt und Knechtschaft, aus Zorn und Trauer über so viel Demütigung und Verrat.
Soweit Guido König.

Julius Cäsar
Bei Julius Cäsar liest sich die Sache (leicht gekürzt) so:
Treveri vero atque Indutiomarus totius hiemis nullum tempus intermiserunt...
... Die Treverer aber und Indutiomarus ließen in diesem Winter keinen Tag vergehen, ohne über den Rhein Gesandte zu schicken, dort die Stämme aufzuwiegeln, ihnen Geld zu versprechen und zu behaupten, dass nach der Vernichtung eines großen Teiles des römischen Heeres nur noch ein bedeutend kleinerer übrig sei. [Das römische Heer hatte in den vorausgehenden Kämpfen empfindliche Verluste erlitten.] Es konnte aber kein Stamm der Germanen dazu gebracht werden, den Rhein zu überschreiten. In dieser Hoffnung getäuscht, begann Indutiomarus nichtsdestoweniger Truppen aufzubieten, sie einzuüben, von den Nachbarn Pferde zu beschaffen und Verbannte und Verurteilte in ganz Gallien unter großen Belohnungen an sich zu ziehen. Und er hatte sich hierdurch in Gallien bereits so großes Ansehen verschafft, dass von allen Seiten bei ihm Gesandtschaften zusammenströmten und in des Staates und in eigenem Namen um sein Wohlwollen und seine Freundschaft baten.

Nachbau eines römischen Legionärslagers
Sowie er dies sah, berief er einen bewaffneten Landtag. Das bedeutet nach gallischer Sitte den Kriegsbeginn. Zu diesem Landtag müssen sich nach gemeinsamem Gesetz alle wehrfähigen Männer in Waffen einfinden; wer als letzter erscheint, wird angesichts der Menge aufs qualvollste hingerichtet. Auf diesem Thing verkündete Indutiomarus öffentlich, dass er von den Senonen, Carnuten und mehreren anderen gallischen Stämmen zu Hilfe gerufen sei. Dorthin werde er durch das Gebiet der Remer [belgischer Stamm zwischen Marne und Seine, mit Cäsar verbündet] ziehen, deren Land verwüsten und vorher noch das Lager des Labienus bestürmen.
Da Labienus sich in seinem durch natürliche Beschaffenheit und durch Schanzen stark befestigten Lager hielt, fürchtete er nicht die geringste Gefahr für sich und seine Legion. Als er von der im Landtag gehaltenen Rede des Indutiomarus erfuhr, schickte er Boten zu den Nachbarstämmen, berief überall Reiter ein und bestimmte einen Termin für ihr Eintreffen. Inzwischen streifte Indutiomarus fast täglich mit der ganzen Reiterei vor dem Lager umher, bald um die Lage des Lagers zu erkunden, bald um Reden zu führen oder einzuschüchtern. Meist schleuderten alle seine Reiter ihre Speere ins Lager. Labienus hielt seine Leute innerhalb der Verschanzung und suchte die Feinde auf alle mögliche Weise in dem Glauben zu bestärken, er habe Furcht.
Als Indutiomarus mit von Tag zu Tag zunehmender Geringschätzung ans Lager heranrückte, ließ Labienus in ein und derselben Nacht die Reiter aller Nachbarstämme, die er hatte herbeiholen lassen, ins Lager hinein und hielt mit Hilfe von Wachtposten alle seine Leute mit solcher Vorsicht darin, dass nichts verraten werden oder den Treverern hinterbracht werden konnte. Inzwischen rückte Indutiomarus seiner täglichen Gewohnheit entsprechend ans Lager heran und brachte dort einen großen Teil des Tages zu. Seine Reiter schleuderten ihre Geschosse und forderten mit vielen Schimpfworten unsere Soldaten zum Kampfe. Ohne dass diese antworteten, zogen die Feinde, sowie es ihnen passte, gegen Abend aufgelöst und vereinzelt ab.

Mauer und Graben
Plötzlich schickte Labienus aus zwei Toren alle Reiter vor. Er gab den strengen Befehl, wenn die Feinde verscheucht und in die Flucht geschlagen seien ganz allein den Indutiomarus anzugreifen. Niemand sollte irgendeinen anderen eher verwunden, als bis er jenen tot gesehen habe. Er wollte nicht, dass dieser durch aufhaltende Verfolgung der übrigen einen Vorsprung gewinne und entkomme. Für die, die ihn töteten, setzte er hohe Belohnungen aus. Die Kohorten schickte er den Reitern zur Unterstützung. Das Glück begünstigte seinen Plan. Da nämlich alle den einen Indutiomarus suchten, wurde er gerade noch in der Furt eines Flusses eingeholt und niedergemacht. Sein Haupt wurde ins Lager gebracht. Auf dem Rückweg verfolgten und töteten die Reiter, wen sie erreichen konnten. Auf die Nachricht hiervon zogen alle herbeigeeilten Truppen der Eburonen und Nervier ab. Schon kurz danach hatte Cäsar etwas mehr Ruhe in Gallien...
...pauloque habuit post id factum Caesar Galliam quietiorem.

So liest sich der Bericht des Gaius Julius Cäsar über das Ende des ersten „Saarländers“, der in der Geschichtsschreibung auftaucht. Passiert ist die ganze Geschichte im Winter des Jahres 54 v. Chr., also vor 2050 Jahren. Der siegreiche Legat (General) Titus Labienus war Cäsars fähigster Militär und sein Stellvertreter in Gallien. Er ging später im Bürgerkrieg als einziger der Legaten zur Gegenseite über und wurde Cäsars gehässigster Gegner...

zitiert nach:
Das Saarland in Bildern von Werner Richner und Texten von Guido König, Queißer Verlag, Lebach, 1985
C. Julius Caesar, Der Gallische Krieg, Herausgegeben von Georg Dorminger, Heimeran Verlag München, 1962

© Anton Markmiller


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