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Hätten Sie's gewußt?Wie der wackere Wackenmüller Peter mit dem Teufel Karten spielte
In alter Zeit trafen sich abends in der einsamen Wackenmühle viele Püttlinger zu fröhlichem Kartenspiel. Einmal kam spät noch ein Fremder hinzu und bat, mitspielen zu dürfen. Bald äußerte er im Gespräch, wer zuerst aufhöre, den solle der Teufel holen, womit die andern auch zufrieden waren. Beim eifrigen Spielen fiel Peter, dem Müller, eine Karte unter den Tisch. Er hob sie schnell auf. Dabei gewahrte er, dass der Fremde Pferdefüße hatte. Zu Tode erschrocken, ging der Wackenmüller hinaus, um wie er sich herausredete, das Mühlrad zu schmieren und anzulassen. Er lief aber, was er konnte ins Dorf und rief den Pfarrer Hintgen herbei. Als der unauffällig eintrat, forderte man ihn zum Mitspielen auf. Pfarrer Hintgen hatte eine Zipfelmütze auf und einen Bauernkittel an. Einmal ließ er eine Karte fallen und sah, beim Aufheben, tatsächlich auf die Teufelspferdefüße. Als der Fremde ans Kartenmischen kam, bat er den Pfarrer, ihm die Karten abzudecken. Dieser nahm die unter seinem Kittel liegende Stola und hielt sie an des Fremden Karten. Sofort stieg dieser wutschreiend zur Zimmerdecke empor, grad in den offenen Rauchfang des Herdes und zum Schornstein hinaus. Ein jeder hatte dabei an den Füssen den Teufel erkannt, der von Pastor Hintgen aus der Wackenmühle vertrieben wurde und sich seither dort auch nicht mehr zeigte. Der wackere Wackenmüller Peter aber wurde landauf und landab gerühmt, dass er dem Teufel beim Kartenspielen getrotzt hatte.
Geschichte nach Karl Lohmeyer, Die Sagen der Saar, Saarbrücken 1955 Der Lyoner - ein saarländisches PhänomenWarum der Lyoner Lyoner heißt
Bis in die Renaissancezeit hinein waren alle Wurstwaren von der Farbe her grau. Es gab außer Pökelsalz keine Konservierungsstoffe, außer Räuchern keine Konservierungsmittel und somit war nahm jede Wurst, die nicht durch Blutgehalt rot bis schwarz eingefärbt war, eben eine graue Farbe an. In Lyon kam man gegen Ende des 16. Jh. auf den Gedanken, Fleischwürste mit Safran einzufärben, worauf sie eine rosarote (schweinchenrosa) Farbe annahmen. Dies war eine Wurst „a la lyonaise“, eben eine Lyonerwurst. Diese seltsame Färbung kann man noch heute bei den elsässischen Würsten bewundern, die dort zu Wurstsalat verarbeitet oder zum Choucroute gereicht werden.
Da das Saarland als Grenzgebiet mehrfach zwischen der französischen und deutschen Herrschaft hin und her wechselte, bürgerte sich „der Lyoner“ hier als Wurst ein. Auch mit den napoleonischen Soldaten kam die Wurst nach Deutschland, und zwar in die Pfalz und vor allem nach Bayern. In Bayern ist diese Wurst aber weiblich: es heißt „die Lyoner“.
Unterschiede gibt es beim Verzehr. Im Saarland wird der Lyoner am liebsten heiß gegessen, die Haut bleibt meist dran, allerdings gibt es da Glaubensunterschiede. Besonders beliebt ist der Lyoner vom „Schwenker“ einem dreibeinigen Grillgerät, hier bleibt die Haut immer dran. (Der Schwenker ist übrigens nur authentisch, wenn er von Saarstahl stammt, d.h. aus abgezweigtem Material aus der Stahlproduktion.) In Bayern wird die Lyoner niemals heiß gegessen, sie wird überwiegend zu Bayerischem Wurstsalat verarbeitet, die Haut muss ab.
In Franken heißt die Lyoner „Stadtwurst“ oder „Fleischwurst“, aber damit ist sie schon keine Lyoner mehr. Sie wird auch nicht geräuchert (zum Rezept siehe unten).
Maskulin ist „der Lyoner“, weil er als Ring daher kommt. Richtigerweise heißt es also „der Lyonerring“, aber das sagt natürlich niemand. In Bayern heißt es richtigerweise „die Lyonerwurscht“, das sagen noch ganz alte Bayern.
Aufgrund der außerordentlichen Beliebtheit des Lyoner im Saarland gibt es vielfältige Ergänzungen, so ist ein saarländischer Adventskranz ein Ring Lyoner mit vier Flaschen Karlsberg (Pils aus Homburg/Saar – die saarländische Brauerei schlechthin). Es gibt Besuchergruppen in der Vertretung des Saarlandes beim Bund in Berlin, da bekommen die Reiseteilnehmer feuchte Augen, wenn ihnen ein Lyoner serviert wird, obwohl sie ihn doch zu Hause jeden Tag essen... Weitere Infos zum Lyoner vom Saarländischen RundfunkDie Folgende Nachricht stammt vom Saarländischen Rundfunk. Das Original ist unter http://www.sr-online.de/landleute/46/469384.html zu finden.
Lyoner - "Made in Saarland"Die Fleischer-Innung des Saarlandes hat die Marke Saarländischer Lyoner vom Europäischen Harmonisierungsamt in Alicante/Spanien schützen lassen. Nur Metzger aus dem Saarland dürfen in Zukunft Fleischwurst unter dem Namen "Lyoner" verkaufen. (13.02.2005) So gilt Marken- und Geschmacksschutz auch zum Beispiel für die Thüringer Rostbratwurst oder Salzburger Mozartkugeln. Dieser Schutz ist in der gesamten Europäischen Union gültig. Die Entscheidung der EU wurde jetzt veröffentlicht. Mögliche Einsprüche müssen bis April vorgebracht werden. Wenn niemand widerspricht dürfen die 160 saarländischen Metzger jubeln: Denn dann dürfen nur noch sie Lyoner herstellen und europaweit verkaufen. "De saarlännische Lyoner"Lyoner ist eine Brühwurst ohne Einlage. Das Rezept stammt ursprünglich aus der französischen Stadt Lyon – dort wird er Cervelas genannt. Hergestellt wird der Lyoner aus Schweinefleisch (manchmal auch aus Rindfleisch) und Rückenspeck und mit acht verschiedenen Gewürzen, Salz und „Maggi“. Die Zutaten werden je nach Sorte grob oder fein in Rinds- oder Kunstdärme gefüllt, gebrüht und leicht über Buchenholz geräuchert. Lyoner ist über Frankreich hinaus, im Saarland und in der Schweiz populär. |
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