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Ausmaß und VerbreitungExaktes „hartes“ Zahlenmaterial zum Ausmaß häuslicher Gewalt liegt in Deutschland nicht vor, da zum Einen nur ein geringer Teil der Gewaltakte öffentlich bekannt wird und zum Anderen die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) noch keine gesonderte Erfassung der Delikte häuslicher Gewalt ermöglicht. Allerdings geben wissenschaftliche Studien im Bereich der Dunkelfeldforschung eindeutige Hinweise auf Häufigkeit und Schwere des Gewaltvorkommens: Eine von der Bundesregierung in Auftrag gegebene repräsentative Erhebung ergab, dass 25 % der in Deutschland lebenden Frauen im Alter zwischen 16 und 85 Jahren ein- oder mehrmals in ihrem Leben körperliche Gewalt durch Ehemann oder Partner erfahren haben. 64 % dieser Frauen haben körperliche Verletzungen davon getragen (das entspricht 16 Prozent der weiblichen Gesamtbevölkerung im genannten Alter). Siehe hierzu auch „Gesundheitliche Folgewirkungen“. Männer stellen bundesweit ca. 75% aller Gewaltopfer. Sie erfahren die Gewalt meist durch andere Männer und im öffentlichen Raum. Auch im häuslichen Bereich erleben sie Gewalt, wenn auch in weit geringerem Ausmaß. Eine von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Pilot-Studie, die den Auftrag hatte, zunächst zu untersuchen, mit welchem wissenschaftlichen Instrumentarium die Besonderheit männlicher Opfererfahrung erfasst und wie Zugang zu männlichen Gewaltopfern geschaffen werden kann, konnte – naturgemäß – keine repräsentativen Zahlen vorlegen, ergab aber eindeutige Hinweise, dass eine große Bandbreite an Gewalterfahrung, wie wir sie von der Konstellation weibliches Opfer/männlicher Täter kennen, grundsätzlich auch bei der Gruppe männlicher Opfer vorzufinden ist. Das heißt, Männer können durchaus auch massive körperliche Gewalt eingebettet in ein psychisches Unterdrückungssystem durch die Partnerin erfahren. Im Durchschnitt bleibt die Schwere der Gewalt aber deutlich hinter jener gegen Frauen ausgeübten Gewalt zurück. Da es sich in Fällen körperlicher Gewalt zum weit überwiegenden Teil um männliche Täter und weibliche Opfer handelt, wird in den weiteren Ausführungen in der Regel diese Täter-/Opfer-Relation zu Grunde gelegt. Dies auch vor dem Hintergrund, dass wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse über die psychosozialen Mechanismen, die die umgekehrte Täter-/ Opferkonstellation betreffen, zur Zeit nicht vorliegen. Dennoch ist es unerlässlich, den Blick zu schärfen für die umgekehrte Konstellation und ebenso für Gewalt in gleichgeschlechtlichen Paarbeziehungen. Im Gegensatz zu dem Kennzeichen Geschlecht ist bei den übrigen demographischen Merkmalen (Bildung, Beruf, Verdienst und so weiter.) keine Ungleichverteilung zu erkennen. Das heißt häusliche Gewalt ist nicht auf bestimmte gesellschaftliche Gruppierungen beschränkt, sondern verläuft quer zu gesellschaftlichen Schichten oder sozialen Milieus. Quellen: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland. Eine repräsentative Untersuchung zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland - Zusammenfassung zentraler Studienergebnisse“, 2004; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: „Gewalt gegen Männer. Personale Gewaltwiderfahrnisse von Männern in Deutschland ; Dearing, Albin /Förg, Elisabeth (Hg.): „Konferenzdokumentation ,Polizeiarbeit gegen Gewalt an Frauen’“, Wien 1999; Schweikert, Birgit: Gewalt ist kein Schicksal. Ausgangsbedingungen, Praxis und Möglichkeiten einer rechtlichen Intervention bei häuslicher Gewalt gegen Frauen unter besonderer Berücksichtigung von polizei- und zivilrechtlichen Befugnissen, Münster 1999; Gloor, Daniela und Meier, Hanna:“Gewaltbetroffene Männer – wissenschaftliche und gesellschaftlich-politische Einblicke in eine Debatte“, in Praxis des Familienrechts 2003, 526-547.
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