Saarland.de - Startseite
   Benutzerhinweise    Inhalt    Suche
Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz
 

Entsorgung von Dämmmaterialien die das Flammschutzmittel HBCD enthalten

25.11.2016
Dämmstoffe Foto: Fotolia © Alterfalter
Dämmstoffe Foto: Fotolia © Alterfalter

Seit dem 30.09.2016 sind Dämmstoffe, die mehr als 0,1 Gew .% Hexabromcyclododecan (HBCD) enthalten, in Deutschland als gefährlicher Abfall einzustufen.
Dämmstoffe fallen im Rahmen von Baumaßnahmen entweder als Monofraktionen oder als gemischte Bau- und Abbruchabfälle an.
Bis zum 29.09.2016 konnten Polystyrol haltige gemischte Bau- und Abbruchabfälle im Saarland über die Verbrennungsanlagen in Neunkirchen und Velsen entsorgt werden. Beide Anlagen können diese Stoffe umweltgerecht behandeln und sind für die Entsorgung von gemischten Bau- und Abbruchabfällen (Abfallschlüssel 17 09 04) zugelassen. Sie dürfen aber keine gefährlichen Abfälle annehmen.
Seit der geänderten Einstufung HBCD-haltiger Abfälle ist es zu Unsicherheiten gekommen, inwieweit an den beiden Müllverbrennungsanlagen weiterhin Polystyrol haltige gemischte Bau- und Abbruchabfälle angenommen werden können.
Im Sinne eines praxisgerechten und vollzugstauglichen Vorgehens hat das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz im Ergebnis eines Informationsaustausches auf Fachebene entschieden, das Vorgehen im Saarland wie folgt festzulegen:

  1. Bauabfallgemische, die entsprechend der bisherigen Entsorgungspraxis und ohne vorhergehende Verdünnung oder Vermischung anfallen (Einhaltung des Vermischungsverbots gemäß § 9 Abs. 2 KrWG) und die nicht mehr als 5 Gew.-% HBCD-haltige Dämmstoffe enthalten, sind als nicht gefährlicher Abfall einzuschätzen.
  2. Die Verantwortung für die Einhaltung dieser Kriterien liegt beim Abfallerzeuger.
  3. Gemische, die die genannten Kriterien erfüllen, können nach erfolgter Eingangskontrolle weiterhin als gemischte Bau- und Abbruchabfälle (Abfallschlüssel 17 09 04) in den beiden saarländischen Verbrennungsanlagen entsorgt werden.
  4. Die Annahmemodalitäten sowie die maximalen Annahmemengen richten sich dabei nach den betriebstechnischen Erfordernissen der jeweiligen Verbrennungsanlage und liegen im Ermessen des Anlagenbetreibers.
  5. Somit steht auch einer Annahme von Kleinmengen aus privaten Haushaltungen über die kommunalen Wertstoffhöfe nichts mehr entgegen.
  6. Unabhängig von den vorstehend ausgeführten Kriterien weist das Umweltministerium darauf hin, dass durchaus auch Abfallgemische, die mehr als 5 Gew.-% an Dämmmaterial umfassen, nicht gefährlicher Abfall sein können.
  7. Das ist z.B. dann der Fall, wenn diese Abfälle nachweislich zwar Dämmmaterial, aber keinerlei Poly-styrol oder zwar Polystyrol, nicht jedoch das als gefährlich einzuschätzende Flammschutzmittel HBCD enthalten (z.B. Reste aus dem Zuschnitt von Neumaterial). Der Nachweis hier kann wie folgt geführt werden: Durch die Materialart selbst, einen Herstellerbeleg, das Herstellungsjahr, eine bestimmte Farbkennzeichnung, das Vorhandensein von Materialstempeln, etc.
  8. Das Umweltministerium empfiehlt, bei der Entsorgung entsprechender Abfälle vorsorglich diesbezügliche Nachweise mitzuführen und diese bei der Annahmekontrolle von Abfallentsorgungsanlagen vorzulegen.
  • Hintergrund:
  • HBCD (identisch mit HBCDD; ausgesprochen: Hexa-brom-cyclo-do-dekan) ist eine - das chemische Element Brom enthaltende - Kohlenwasserstoffverbindung, die vorwiegend als Flammschutzmittel für Kunststoffe eingesetzt wird.
  • HBCD wird v.a. in Dämmstoffen aus Polystyrol eingesetzt.
  • Auch das unter dem Markennamen „Styropor“ bekannte Material gehört zu den Polystyrolen.
  • Ein internationales Übereinkommen, die Stockholm-Konvention, verfolgt das Ziel, langlebige (persistente) organische Schadstoffe zu eliminieren bzw. deren Einsatz zu beschränken. Mit der sogenannten POP-Verordnung der EU (Verordnung [EG] Nr. 850/2004 über persistente organische Schadstoffe) werden die internationalen Beschlüsse dann in europäisches Recht überführt.
  • Seit dem März 2016 gilt in der EU ein schrittweises Verbot für die Verwendung und das Inverkehr-bringen von HBCD, wenn dessen Gehalt 100 mg/kg übersteigt.
  • Ein Abfall, der mehr als 1.000 mg/kg HBCD enthält, muss entsprechend der EU-Vorgaben seit dem 30.09.2016 zudem so verwertet oder beseitigt werden, dass das enthaltene HBCD zerstört oder unumkehrbar umgewandelt wird.
  • Die abfallrechtliche Umsetzung der EU-Vorgaben erfolgte in Deutschland durch eine Anpassung der sogenannten Abfallverzeichnisverordnung (AVV). Diese Änderung trat bereits im März 2016 in Kraft.
  • Die aktualisierte AVV geht über die Vorgaben der EU hinaus. Hier werden sämtliche Abfälle, die HBCD ab einem Gehalt von 1.000 mg/kg enthalten, als gefährlich beurteilt.